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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Mainz . Peter Schösscr nach Fust's Tode.

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Noch in dem nämlichen Jahre 146S erschienebenfalls:

Grammaticir vetus rhntmicn.

als zweite Auflage derselben von 1466, in zweiTheilen, wovon der Erste 17, der Zweite 26 Blätterenthalt und ein Commeutar über den Ersten ist.Hierauf folgten schnell nach einander:

1470. «Zonisacii VIII liber scrtus decretalium.

in Folio, zweite Auflage mit Io. Andrä'sApparate.

S. Hieronnmi epistolae. zwei Bände in gr.

Folio.

Mammotractus. (ein Wörterbuch der dama-

ligen geistlichen Literatur) in gr. Folio.

1471. Valrrius marimus, liber snctorum etc. iu

Folio.

Cleincntis V constitutiones. dritte Auflage.

S. Thomae de Auuino, pars prima Secunde.

^j>!lrt!ü 8unu»^e ilieolv^Icae.)

^iblia sucra lutimr. zwei Bände in gr. Folio.

1472. Gratiani decrrtum etc. 412 Blätter in gr.

Folio.

Justiniani institutiones. gr. Folio zweite

Auflage.

1473. Aonifacii VIII liber sertus decretalium

cnm appnratu Io. Andrae. gr. Foliodritte Auflage.

S> Aunustinus, de civitate dei. gr. Folio.

Gregorius IX : nova compilatio decreta-

lium. iu Folio.

1474. Joh. de TurrecrematK: ervositio drevis

et utilis super toto psaltcrio. in Folio.

Henrici Hnrp (Herx) ord. min. sperulum

aureum dcccm pracceptorum. in Folio.

1475. Justiniani eodrr eum glossis. gr. Folio.

Pcrnardi Cl»rel>allcnsis sermones. in Folio.In diesem Jahre finden wir den unermüdeten

Peter Schöffer in Paris . Gleich nach Fust's Todehatte er nämlich nach Frankreichs Hauptstadt einenFactor, Namens Hcrm-m von Stathoen, aus demBisthum Münster gebürtig, abgesendet, um dievon seinem Schwiegervater hinterlassenen Bücherin Empfang zu nehmen nnd den Buchhandel fort-zutreiben. Als nun auch dieser mit Tode abge-gangen war, ohne ein Naturalisatiouspatent, und

mit demselben das Recht zn testircn erlangt znhaben, trat das gegen jeden Fremden in Frankreich übliche Heiinsallsrccht (äroit 6'^ul>i»:»e) in Wirk-samkeit nnd königliche Lommissaire uahmeu vermögedes Rechtes, die Fremden zu beerben, alle in demMagazine dieses fremden Buchhändlers befindlichenBücher im Namen deS Königs in Beschlag.

Peter Schöffer reisete, als er davon Kenntnißerlangt, mit hohen Empfehlungen und Fürschrcibenvon Kaiser Friedrich III. und dem Kurfürsten vonMainz versehen, in Begleitung seines GesellschaftersConrad Henlif sogleich nach Paris , legitimirtc sichals Eigenthümer der in Beschlag genommenen Bü-cher nnd verlangte die Aushändigung der noch vor-haudenen nnd zugleich eine Entschädigung für diebereits für königliche Rechnung verkauften Werke.Seinem Ansuchen wurde entsprochen. König Lud-wig XI. befahl durch eine vom 21. April 1472 datirteOrdonnanz: daß in Berücksichtigung der Sorgfalt,mit der die Neclamanten die Kunst des Vücher-druckes gefördert und des Nutzeus, welcher auSdieser Kunst dem gemeinen Wesen dnrch Verbrei-tung der Wissenschaft erwachse, die völlige Ent-schädigung für den ganzen erlittenen Verlust mitjährlich 800 Livres, vom 1. October 1475 an ge-rechnet, ausgezahlt werde bis die ganze Forderungin dem Betrage von 2425 Goldthalern nnd 3 Solsgetilgt sei." Dieses merkwürdige Decret ist beiWetter S. 501-503. wort- und schristgetreu abge-druckt.

Nachdem Schöffer seiucu Zweck erreicht, ließ erCourad Henlis, der in der königlichen Ordon-nanz stets HanneauiS genannt wird, zur Betrei-bung seines Buchhandels in Paris zurück, begabsich wieder nach Mainz und setzte sein Druck-geschäft mit erneueter Thätigkeit fort. Beweisesind eine lange Reihe von Druckwerken, welchewir aber aus Mangel an Raum hier übergehenzu müssen glauben. Nur Cr. Botho'S «Lroneckcnder Sassen" vom Jahre 1492 in niederländischerSprache, mag wegen der ganz eigenthümlichenInitial- nnd Versaltypen hier besonders aufge-führt und der Knnstcharakter der Letzteren durcheine getrene Nachbildung der Buchstaben D. F. undI. auf der folgenden Seite angedeutet werden.

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