174 Mersrbnrg. — Fucas Drandis. — Fttarienthal. — Urrslau. —- Conrav Elyail.
preußischen Provinz Sachsen, oder zu MörSbnrgam Bodensce ihr Dasein erhalten haben. Ebert imbibliographischen Lcricon ^o. 1335. und 10564.stimmt sür letzteren Ort. Zu dieser Annahme scheintihn die Berücksichtigung bewogen zu haben, daßdamals die ncne Kunst in Süddeutschland bekannterals in Norddentschland war, in Mersebnrg keineinziger dieser Drucke aufzufinden ist und es in derThat zu verwundern wäre, daß in der Nahe einerso berühmten Universttat, wie Leipzig , doch in derkleinen Stadt eher als im Orte der Hochschule solltegedruckt worden sein.
Gustav Schwetschke hat im Anhang zu seiner soeben erschienenen Schrift: „Vorakademische Buch- jdruckergcschichte der Stadt Halle." Eine Festschrift.Halle, Gebcmer, 1340. gr. 3. eine Ehrenrettungdes sächsischen Mersebnrg, als dcö Drnckortes„Marsipolis" und „Mcrs)borg" von 1473 undmithin als der ältesten norddeutschen Druckstatte be-kannt gemacht und jedenfalls mehr Gründe zurUnterstützung seiner Ansicht beigebracht, alö Schött-gen und Ebert zu Gunsten der schwäbischen Stadt.Für Mersebnrg scheint auch der Umstand zu sprechen,daß in Süddeutschland die Ortschaften, welche sichmit „bürg" endigen, niemals „borg" geschriebenwerden, wie dies in einem Drucke des Lucas Bran-diS der Fall ist, weil diese Endsylbe im Munde desVolkes nicht so lautet, wahrend die norddeutscheAussprache daS „u" häufig in „o" verwandelt.
Lucas Brandts,
von 1473 bis 1475.
Einer der thatigsten Drucker des fünfzehntenJahrhunderts, Lncas Brandts, aus Delezsch (De-litzsch?) gebürtig, doch kommt er auch unter derBezeichnung „von Schaß und von Leszsch" vor,hatte schon 1473 hier seine Werkstatt aufgeschlagenund „S. Augustini libcr de nimcstioniblis Vro-sii" in 4.; „Aristotelis L»pid»rius" und „Fiberde phisonomiil rrgm" (hier mit der Benennung„Merszborg") in Quart herausgegeben. Wir fin-den ihn im Jahre 1475 in Lübeck , wo er bis 1499druckte. Man darf ihn nicht mit den Leipziger Truckern Marcus und Moritz Brandts verwechseln,
eben so wenig mit dem Lübecker Matthias Brandiö.Noch kennt man „S. Zsioori Ispnlrnsis archieprsi)nonima" mit der Schlußschrist „MarsivoU",1479. 4.
Marienth al.
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DaS alte Kloster Marienthal oder Marienhausen im Rheingau ist der erste Ort, wo die um dieDruckkuust und deren Verbreitung so hochverdienten„Brüder des gemeinsamen Lebens" (?ratrss vitsscomniuiüs), welchen Orden Gerhard der Große nachder Regel des h. Angnstin zu dem Zwecke stiftete,die Werke der Kirchenvater uud theologischen Schrift-steller des Mittelalters durch Abschriften zu verbrei-ten, die früheste Officin errichteten; doch ist nur dasDreviarium Psaltcriumque FNoguntincnsc,1474. in 4.
als das einzige Denkmal an diesen Ort übrig geblie-ben. Bald darauf errichteten diese Ordensbrüderanch iu Brüssel, Lübeck, Nürnberg , Rostock u. s. w.typographische Werkstätten, wo ihrer alsdann weitergedacht werden soll.
14 7 5.
Schlesiens Hauptstadt gehört zu den frühestenWiegenplätzcn der neuen Kunst, wo diese nicht, wiein so manche» anderen Orten, nur kurze Zeit hin-durch gepflegt und alsdann vernachlässigt, sondernbis auf unsere Tage mit gleich großem Eifer aus-geübt worden ist.
Conrad Elyau,
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kann als der Vater der Breslaucr Typographieangesehen werden. Seine erst in neuerer Zeit be-kannt gewordenen
Snnodnlia statuta rjii Conraoi. Wratisla-
viac prr <L. Elnan imprcssa 9. Oct. 1475.
4., 65 Blätter mit 24 Zeilen,