Erfurts bedeutendste Typographen des fünf-zehnten Jahrhunderts sind außer Paul Wider: He-derich nud Mar.r Ayrcr, welchen wir schon als„reisenden Drucker" 1487 und 1483 zu Nürnberg erblickt haben nnd ihn 1497 zu Jngolstadt wiederfinden werden, Woifgang Schenk, Melchior Sachs,Martin von Dolgen, Wolfgang Stöcke!, GüntherWinter, Johann von Torsten, Matthias Maler,Hanns Knapp, HannS Sporcr, dessen schon weiteroben bei Bambcrg unter dein Namen „HannSBriefmaler" Erwähnuug geschehen. Ob der amEnde des kleinen Tractats: „Von Sanctn Anna.Vnd von dem Tau V sant anna hilft' selb tryt."„Erffort zn den eynsydeln bey sant Vcitt" genannte„Hanfi Buchdrucker von nyrenberg" identisch mitHannS Sporcr oder ob darunter Hans Berneckcrzu verstehen sei, kann nicht mit Gewißheit ange-geben werden. Doch möchte ich für die erstere'Annahme stimmen, indem die zweite Ausgabe desSchriftchens: „Von dem grasten in dem pflüg."149ö, iu Quart, „Hansen sporer bey sante Veitzu dem eynfydel" als Drucker ueunt. Auch kommteine Officin „zv Erffort In sant Panls pfar. zvden weisscn lilligen Berge" im Jahre 1498 vor.Der Drncker ist aber Niemand anderes als der schonöfters erwähnte HannS Sporer, der sich selten nenntnnd deshalb in der ältesten Geschichte der Drucker-kunst zu vielfachen Mißverständnissen Veranlassunggegeben hat. In dem „bewert Kunstbuchlin dasden menschen gar nützlich zu haben ist" u. s. w.1499, in Quart, hat er, wahrend er sich sonst nnr„HanuS Bnochdrucker" oder uach seiner Wohnunguaunte, den Zunamen am Schlüsse bestimmt ange-geben, wo eS heißt: „Gedrucket tzu Lrftort durchJohannsen sporcr tzu den wissen tilgen berge beysant Pauls psarr. Im 99. zarc." Der gelehrteProsessor Dr. Nieolans Marschalk aus Noßla inThüringen , der sich deshalb anch Thurius nanuteund spater in Wittenberg uud Rostock wirkte, hatzwischen 1490 und 1502 in seinem Hause eine eigenePrivatdruckerci gehabt, indem mehrere Schriftenvorkommen, wo es am Schlüsse heißt: „Imprcs-SUIN Lrphordiae in nedibus FUnrsealci." SeinDrucker War I^inleus Sin-toriu-, LImicnpolitaniis, das
ist, Heinrich Schneider aus Vlankenbnrg.
Im vorigen Jahrhunderte blüheten Johann Wil-helm Ritschl von Hartenbach, Johann ChristianHeringen, Joh. Mich. Funke, Joh. Dav. Jungnicolund Joh. Heiur. Nonne.
In der neuesten Zeit hat I. Ritschl von Harten-bach der Jüngere sowol als Schriftschncider, wiedurch seine Kupser-, Messing - und Congreveplatten-stecherei und sein xylographisches Institut die Typo-graphie ungemein gefördert. Nach ihm verdienenLossinS, Cramcr, Gerstenbcrg, Hennings und Gopp,Müller nnd Ohlenroth, Rudolphi, Stenger, Ucker-mann nebst Meyer und Böhme eine ehrenvolleErwähnung. >
Albert Rcivensiein,
von 14S3 bis 1434.
Als erstes Vnch, welches in Magdeburg gedrucktwurde, verdient das „Gfficium Misse, impr. ininclnta civitnte Magdeb. per Albertmn Naven-stein et Joachim Westvnl." 148Z, in Quart,genannt zn werden, welchem gar bald andere, meisttheologische Werke folgten. Ueber den DruckerRavcnstein ist sehr wenig bekannt geworden. Ererscheint stets in Gesellschaft mit
Jvachim Westphal,
von 1483 bis 1434,
welcher aber nach der Sitte der damaligen Zeit- seinen Namen aus seinem Geburtslands entnahmund sich statt „Westphal" nach der Schreibart desfünfzehnten Jahrhunderts „ Westual" nnterzeichnete.Er kommt nie für sich allein als selbstständigcrDrucker, sondern stets nur als Thcilnehmer mitRavcnstein vor.