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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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203
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Fr»nlisurt n. M. Christian Egciwlph,

wohl aber, daß Primus Trnber's Sohn, FelicianTrüber,die Hauspostille Luther's", 1595. Folio,in windischer Sprache daselbst herausgegeben habe.So viel von dem in der Geschichte der Typographieunseres Vaterlandes so höchst merkwürdigen slavi-schen Bücherdrucke. Alle diese genannten Werkegehören jetzt zu den Seltenheiten. Man sehe hier-über Ch. Fr. Schnurrer's Slavischer Bücherdruckin Würtemberg im 16. Jahrhundert", Tübingen ,Cotta, 1799. 8. Tübingen gebührt außerdem derRuhm, in den Bußpsalmen, die der GelehrteReuchlin 1522 herausgab, den ersten hebräischenDruck in Deutschland geliefert zu haben.

Eine neue Epoche in der Geschichte der Tübinger Typographie beginnt mit Johann Georg Cotta ,dessen Familie, aus eiuem altitalicnischen Adelsge-schlcchte abstammend, schon zur Zeit der Refor-mation in Eisenach und Dresden geblühet hatte.Um das Jahr 1640 verließ er Sachsen und gründetein Tübingen die berühmte Buchhandlung, die schonzu Ansang des achtzehnten Jahrhuuderts zwanzigPressen beschäftigte und gegenwartig in drei Zweigevertheilt, zn Stuttgart, Augsburg und München ,jedem Institute dieser Art in Deutschland denRang streitig macht. Die alte Handlung nebst derDruckerei war durch verschiedene Schicksale sehrherabgesuuken, als im Jahre 1789 der genialeJohann Friedrich Cotta , nachmals Freiherr vonCottcndorf, nn deren Spitze trat und sie mit einemmühsam aufgetriebenen Capitale von 500 Enldendurch glückliche Speculatiouen und eine unermüdeteThätigkeit bald zum ersten bibliopolischen Instituteseines Vaterlandes erhob. In Tübingen saßte er1793 den großartigen Plan zurAllgemeinen Zei-tung" und gewann ans knrze Zeit Schiller'n sürdieses Unternehmen. Als aber Letztcrem eine schwan-kende Gesundheit die Leitung nicht mehr längergestattete, wurden dieHören" begründet undmanch' andere literarische Werke vorbereitet. DieAllgemeine Zeitung" trat hierauf unter Posselt's,später unter Huber's Redaction ans Licht, wnrdeaber 1798 nach Stuttgart und 1803 nach Augsburg verlegt.

Nach den älteren UniversitätSstatutcn durftennur vier Buchdruckereien in Tübingen geduldet

j werden; da letztere zu Anfang dieses Jahrhunderts

> unter das Stadtforum kamen, so wurde die Er-richtung mehrerer Officinen gestattet. Man zähltderen gegenwärtig sieben, nämlich: G. Bähr, E. T.Eifert, C. F. Fues (alle drei zugleich Buchhändler),C. Hopfcr de l'Orme, Reich, Richterund Schön-hart, eine im Verhältnisse zur Größe der Stadt

! gewiß nicht uubedeutendc Anzahl.

Hier und da werden noch die Städte: Constanz,Schwäbisch-Hall, Liegnitz und Wittenbcrg als Wie-

^ genorte der Buchdruckerkunst geuauut, allein derensämmtliche Ausgaben aus dem füufzehuteu Jahr-hundert sind apolryphisch. Tübingen ist die letzteStadt in Deutschland , welche uoch im fünfzehntenJahrhunderte die neue Kunst in ihre Mancrn auf-nahm und bis auf die neueste Zeit pflegte. Mit ihrschließen wir, dem ursprünglichen Plane dieses Wer-kes, die Drnckwcrtstätten nur bis zum Jahre 1500zu verfolgen, getreu, die chronologische Uebersicht

! der allmäligen Verbreitung in unserem Vaterlands,indem der Raum der gegenwärtigen Jubclschriftnicht gestattet, das von Jahr zu Jahr mehr und

^ mehr zunehmende Wachsthum der Typographie bisauf unsere Tage fortzuführen.

Nur diejenigen Städte mögen hier eine Stellefinden, welche, wenn gleich etwas später als andere,doch wesentlich zur Ausbildung der Typographie

^ beigetragen haben.

Frankfurt a. Nt.

Der erste Buchdrucker der alteu KrönuugSstadtder deutschen Kaiser, den man nach Ucbcrgchuugdes zweifelhaften Hans Pctersheim mit Gewißheitnennen kann, ist

Christian Egenolph ,

von 1513 bis 1555.

Christian Egenoloph oder Egenolff, anS Hada-mar im Westerwalde gebürtig, welcher in einer latei-nischen Inschrift auf dem Eckstein seines Hauses amKornmarkte.' ,,.<l> ilivkotii bnic >»bi 8<z I>rimo 1'^-swgi'-^ibl» XIII. 1)om»m Iiiinc (Si-!»tic»iU5 I^AS-nolplius UallllMllilcn. extrui a". 0'". IVIDI^XIII."