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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Frankfurt a. M. Christian Egenolph .

sich selbst als den Pinführer der Kunst nenntnnd daö Jahr 1513 als die Epoche bezeichnet.Von der Natur mit ungewöhnlichen Anlagen be-gabt, erwarb er sich im Umgänge mit gelehrtenMännern, unter welchen auch der berühmte ArztAdam Lonicer , einen großen Schatz von Kenntnissen.Sein Briefwechsel mit Philipp Melanchthon undanderen ausgezeichneten Litcratorcn giebt Zeugnißvon der allgemeinen Achtung, die er genoß. Erwar sehr thatig; dies beweiset die Menge seiner mitgroßer Sorgfalt ausgeführten Werke. Die voll-kommensten sind seine lateinischen Drucke, doch ver-dient mich die deutsche Bibel von 1535 alles Lob.Zcicht minder bedeutend war er als Schristgicßer,denn von ihm bezogen die meisten damaligen dent-schen Officinen ihre Tvpen. Von seinem Schwieger-söhne Jacob Sabon rührt die grobe Fractnrschrifloder sogenannteSabon" her, wie weiter untenausführlicher gezeigt werden wird. Er starb 1555und ward auf dem St. PeterSkirchhofe begraben.

Nächst ihm verdienen in der Zeitfolge PeterBrnbach welcher meist griechische Werke lieferte,Johannes Lucyenberg und Paul Steinmcher (um1571) Erwähnung. Einen mehr ausgebreiteten Nnfaber erwarben sich Andreas Wechcl, Sohn des be-rühmten Pariser Buchdruckers Christian Wechel ,welcher, als sein Vaier wegen Verbreitung prote-stantischer Schriften anS Paris Vertrieben worden,seine Zuflucht zu dem Grafen von Hanan nahmund sich um 1573 in Frankfurt niederließ. SeineDrucke zeichnen sich, wie diejenigen seines Vaters,durch ungewöhnliche Eorrectheit aus, von welchenbekannt ist, daß oft das Erratenvcrzeichniß einesgroßen FoliobandeS nicht mehr als zwei Fehler ent-hielt. Die Druckerei wurde späterhin durch seineSchwiegersöhne Elande Manch oder Elaudc deMarne und Jean Aubry unter dem Namen derWechel'schcn Ofsicin in gleichem Geiste sortgesetzt.Zu der Genauigkeit der typographischen LeistungenWechel's wirkten besonders die Gelehrten FriedrichSylbnrg und Vinccnz Opsopäus und der unermüd-liche Freund des Hauses Jungcrmann als Korrekto-ren mit. Ueber die vielen auS dieser Anstalt her-vorgegangenen Bücher hat man einen besonderen15S0 zu Frankfurt in Octav gedruckten Katalog.

Seine Officin bezeichneten die über der Thüre desEckhauses der Schäfergasse angebrachten Jnsignien:PegasnS und Füllhorn."

Fast gleichzeitig und bis zum Ende des sechs-zehntcn Jahrhunderts wirkten der gelehrte ZachariasPalthen, Sigiömnnd Feyerabend, ebenso geschicktals Typograph, wie als Buchhändler und Holz-schneider, wie die Abbildungen beweisen, welche inder 1567 gedruckten deutschen Bibel befindlich sind;Johann Spies , Christoph Corvinus, WigcmdGallus (Hahn), Hicronymus Feyerabend, Sieg-mnnd's Sohn.', Wendel Hnmm, Panl Humm,Johann Lechlcr, welcher unter andern diewahr-haftige Beschreibung der Moscowiter" (1576. inFolio) undFronsperger's Kriegsordnung undRegiment" (1564. in Folio), beide mit vielenBildern geziert herausgegeben hat, Nicolans Basseroder Bassäus, Sicgmuud Latomius, David Zäpflin(ZephcliuS), Peter Faber, Johann Schmidt undGeorg Nab (Corvinus), deren Leistungen hin-länglich bekannt sind.

Zn Anfang uud um die Mitte des siebcnzehntenJahrhunderts erwarben sich Johann Bringer undBalthasar Christoph Wnst einen wohlverdientenNnhm. Weniger bedeutend waren Nicolans undJoh. Wolfgang Hoffmann, Joh. Friedrich Weiß,Johann Sauer (Acetus), Egenolph Emmel, Jo-hann Hofer, Erasmus Kempfcr, Paul Jacobi,Cafpar Rötel, Johann Nicolans Stoltzenbergcr,Johann Georg Sperlin, Aegidins Vogel, NicolansKnchenbecker, Hiervnymus Pollich, Johann Görlin,Johann Nicolans Humm, Heinrich Friese, BlasiusJlßner und Nicolans Weinmann. Anszeichnungaber verdient der Stifter der Andrca'schen Vuch-druckerci, Johaun Andreä, welcher schon 1667 einnoch jetzt in der nämlichen Familie blühendesGeschäft begründet hat. In neuester Zeit stehetFrankfurt im Schöndrucke keiner Stadt in Deutsch-land nach und wetteifert selbst in der Schriftschnei--dcknnst und Schriftgießerei mit Leipzig . Es be-darf blos der Nennung von Officinen, wie dievon Dreßler und Nost-Fingerlin, Andrea, NieS,Baner, Brenner und Niebsamen, um die letztereBehauptung zu rechtfertigen. WaS die Ausübungder typographischen Kunst selbst betrifft, so haben