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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Rom . Co»rnd Swcynhcym und Arnold Paunartz.

Die hier vorkommenden griechischen Typen sollennach der Meinung vieler Bibliographen in Holz ge-schnitten sein. Was mir dagegen zu sprechen scheint,ist der Umstand, daß zu Anfange des Werkes, woimmer eine längere griechische Sentenz vorkommt,stets ein weißer Raum gelassen ist, um dieselbe mitder Feder hincinznschrcibe», wahrend gegen dasEnde die griechischen Wörter mit griechischen, obwolnoch unförmlichen Typen gedruckt sind. Nahmeman Holzstöcke an, so Ware kein Grund vorhanden,warum nicht auch die leeren Raume zu Ansang deSBucheS mit dergleichen ausgefüllt seiu sollten. DerenAbwesenheit laßt vielmehr auf Mangel an griechi-schen Metallrypen schließen. In dem daraus folgcu-deu Jahre vollendeten sie das Werk des h. Augnstinvon der Stadt GotteS ." Durch diese schöne Arbeitangezogen, beriefen zwei Wissenschaft liebende Brü-der, die Marchcsen Pietro und Franceöco dc Mari-miS, die beiden Typographen noch in dem nemlichenJahre nach

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wiesen denselben eine Drnckwerkstatt in ihrem eige-nen Hause an, und forderten sie ans, Cicero's Briefezu drucken. Dieser erste römische Drnck von Sweyn-heym und Paunartz ist in groß Quart erschienenund tragt die Jahreszahl 1467. Sie selbst gesteheuam Ende des Druckwerkes: IZes-i-vri»»!« Lai-di».8i>d!i>I ... iidver-m» c^ilimniliitorom ^latonis Illiri V",

daß sie von den Brüdern Marimi großmüthig unter-stützt worden. Die Jahreszahl ist diesem Buchezwar nicht beigesetzt, doch laßt sich anS einem BriefeBessarion'S an Marsiglio Ziciuo entnehmen, daßes im Jahre 1469 gedruckt wurde. Paunartz undSwe^niheym verstanden es meisterhast, den damalsin Italien für Handschristen üblich gewesenen reinrömischen DuctuS nachzubilden, der den deutschen Osfieinen noch fremd war. Ihnen gebührt derRuhm, die Antiguatype oder die kleinere lateinischeSchrift, die bereits in den Manuseripteu deS achtenund ueuutcu Jahrhunderts angewendet worden war,zuerst iu der Quartausgabc von Cicero's Briefenvon 1467 in Rom eingeführt zu haben, bei welcher,sowie auch bei der schönen Ausgabe des Aulus Gellius die Eigenthümlichkeit bemerkbar ist, daß auf dem i

kein Punkt und überhaupt keine Diphthongen, zuEnde der Wörter aber stets lange « vorkommen.Sie haben in einem Zeiträume von sieben Jahren,wie aus dem angeführten Briefe, worin sie ihreDruckwerke der Zahl nach namhaft machen, hervor-gehet, nahe an 12,460 Bande geliefert. Was demausgezeichneten Verdienste dieser Männer die Kroneaufsetzt, ist, daß sie sich meistens mit dem Druckealtclassischer Werke, als der Schriften eines Lactanz,Cicero, Apulejus, Plato, Cäsar , Livins, Mrgil,Lucian, Strabo, Quiutilian, Sueton, Ovid u. s. w.beschäftigt und auf diese Art das Studium derselbenwesentlich befördert haben. Nichts desto wenigerverfielen sie bei der damals schon sehr großen Con-cnrrcnz in Armnth, wie aus einem Briefe an denPapst Sirtus IV. hervorgehet, worin sie sich überMaugel an Verdienst uud die hoheu Ausgaben be-klagen uud denselben um Hülfe anflehen.

Swcynhcym verschwindet mit dem Jahre 147Zans der Reihe der Drucker uud scheint sich von nunan ganz der Kupferstecher- uud Gravirkuust ge-widmet zu haben. Nachdem er sich von Paunartzgetrennt hatte, geriet!) er auf den Gedanken, Land-karten zum Theil mittelst der Typographie herzu-stellen. Die Princeps des Ptolemaus, welche siebenund dreißig Landkarten enthalt, auf denen die Schriftwahrscheinlich mit stählernen Stempeln (Patrizen)in die Mctallplcitte eingeschlagen wurde, da sie diehier sichtbare durchgängige Gleichheit durch dcn Stichmit freier Hand nicht erlangen konnte, liefert hier-von den Beweis. Das Verfahren wird in der drittenAbtheilung dieses BuchcS, wo von dem geographi-schen Drucke die Rede ist, ausführlicher geschildertwerden. Sweynhcym und der Herausgeber desPtolemaus, Domiticm Caldcrinns, starben, ohne dasWerk selbst nach dreijähriger Anstrengung zu voll-enden. Ein anderer deutscher Kupferstecher, ArnoldBucking, nahm sich der Arbeit an und brachte sie imOctober dcs Jahres 1478 in Rom glücklich zu Stande.Pannartz druckte, obwol allein, fort bis 1476. Wasaber die Ausübung der Typographie in der ewigenRoma angehet, so gebührt der oft bestrittene undfrüher fast allgemein dem Genossenpaare Sweyn-hcym uud Paunartz zugeschriebene Ruhm der Prio-rität einem anderen Deutschen