Venedig. — Johann von Svener. — WenÄclin von Svencr. — Aicoliius Jenson. 213
ansehnliche Vortheile versprach? Bis zum Jahre1500 hatten schon gegen zweihundert Werkstättendort ihre Thätigkeit entwickelt und die Typographiegehörte zu den vorzüglichsten Zweigen der Industrie.Die Zahl der bis dahin erschienenen Werke betrug2980. Es wurden im fünfzehnten Jahrhunderte inVenedig allein um ein Dritttheil mehr Bücher ge-druckt, als in allen übrigen Städten Italiens . Dochwaren es ebenfalls Deutsche, welche die neue Kunstnach Samt MarcuS Stadt verpflanzt haben.
Johann von Speyer,
von 1469 bis 1470,
nach der Sitte der Zeit gewöhnlich Johannes dc Spiragenannt, ist unstreitig der Erste, welcher die Typogra-phie hier einführte. Sein erstes Werk sind „ Cicero'sBriefe" von 1469, eine AuSgabc, welche in derVrienne-Laice'schen Versteigerung mit 2000Frankenbezahlt worden ist, von deren Schlußschrist hier einim Holzschnitte nicht ganz gelungenes Facsimile folgt:
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Noch in dem nämlichen Jahre druckte er in einemZeiträume von drei Monaten die Naturgeschichtedes Plinius, eine Ausgabe, welche durch Nettigkeit,Rundung und Gleichheit der Typen, sowie durchdie Schönheit des Papiers hänfig als Muster auf-geführt wird. Da nicht mehr als 100 Eremplarcabgezogen wurden, gehört sie jetzt zu den Selten-heiten. Seinem bewunderungswürdigen Eifer ver-dankt man ebenfalls die erste Ausgabe des TacituS ,die ohne Jahr, doch wahrscheinlich nicht vor 1469,erschienen ist. Diese Princeps liefert das frühesteBeispiel von Blattbezeichmmg mittelst arabischerZiffern. Er bediente sich in seinen Büchern derPunkte, Doppelpunkte und Fragezeichen. Die grie-chischen Worte sind entweder mit lateinischen Letternausgedruckt oder doch sehr fehlerhaft gefetzt. Fürdie Überschriften der Capitel und für die Titel derBücher ließ er einen leeren Raum übrig, um die-selben durch einen Schreiber oder Miniator ergänzenzu lassen. Schon hatte er den Druck des berühmtenBuches „Von der Stade Gottes" des h. Augustinbegonnen, als ihn der Tod überraschle. Dein thätigenManne hat Denis in einer besonderen Abhandlungein wohlverdientes Denkmal gesetzt. Sein Bruder
Wendelin von Speyer,
von 1470 bis 1477,Windclimis dc Spira, brachte dasselbe im Jahre1470 zur Vollendung und eiferte seinem Bruder
sowol in äußerer Eleganz als in der Correctheitseiner Leistungen rühmlich nach. Als Beispielmögen die im Jahre 1470 aus dessen Officin her-vorgegangenen Werke des Virgil betrachtet werden.Eine kurze Zeit hindurch druckte er mit Johann vonCöln in Gesellschaft. Das erste Bnch, welches erfür sich allein ausführte, war der „Sallust " um1470, welchem sehr bald der „Livius " 1470, dieerste „italienische Bibel" nach Niccolo Malermi's Uebcrsetznng 1471 und „Strabo " 1472 folgten.In seinen Büchern findet man schon Punkte, Dop-pelpunkte und Fragezeichen. Ohne Zweifel war erauch der Erste in Venedig, der 1471 des „Iiartolide Saroferrnto lectura super oigcsto novo" inColnmncn druckte. Sein Name erscheint bis znmJahre 1477, in welchem er gestorben sein mnß.
Nicolans Jenson,
von 1470 bis 1482,
ein geschickter Münzstempelschneider aus Tours iuFrankreich , welcher auf Veranlassung Ludwigs Xs.,des ersten Fürsten , welcher die junge Knnst groß-müthig beschützte, im Jahre 1462 nach Mainz kam,um dort die Typographie zu erlernen, ist nicht nurder einflußreichste Buchdrucker Venedigs, sondernnimmt selbst in der allgemeinen Geschichte derKunst eine der obersten Stellen ein. Ein von ihm