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Venedig. — Paolo Mtanutio.
gereinigt, zum Drucke befördert und wenn dieselbendie Presse verlassen hatten, bogenweise durchcorri-girt. Auf diese Art gelang es ihm, die typogra-phische Kunst auf eine Weise zu vervollkommnen,wie Niemand vor ihm gethan. Ihm verdankt mandie I5<I!t,!ones Principes von 23 griechischen Classi-kern. Sein größtes Verdienst bestehet in der Ver-schönerung deö TypeuschnittcS. Er schasste dieMönchsschrift ab, verbesserte die Unterscheidungs-zeichen und führte zuerst das Kolon und Semikolonein. Von griechischen Typen, mit welchen vor ihmnoch Niemand so viel und so schön gedruckt hatte,ließ er nach und nach neun, von den lateinischenvierzehn Arten fertigen. Von den Letzteren ist dieAntiqua, mit welcher „vemdus, 6e ^.ew-c, Vsn.1495. 4." gedruckt ist, ein wahres Meisterstück.Weniger schön, als durch ihre Eigenthümlichkeitmerkwürdig und durch ihre häufige Anwendung inder Folgezeit berühmt ist die auf seiue Veranlassungvon FranceSco de Bologna geschnittene Cursivschrist,von den Franzosen „Jtaligue" genannt, welche zumersten Male im Virgil von 1501 erscheint und derengenaues Faksimile aus dem ersten Gesänge der Bu-koliken hier mitgetheilt wird.
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Selbst von hebräischen Schriften besaß er dreiverschiedene Arten. Verzierungen der Anfangs-buchstaben, Röschen, Vignetten u. s. w. liebte ernicht. Einfachheit und Correcthcit war sei» Bestre-ben. Die »vnei'otomnclük,des Poliphilus von 1499ist sein einziger mit einigen Verzicruugen dieserArt nnd mit Holzschnitten versehener Druck, welchesBuch durch die meisterhafte Ausführung großeBerühmtheit erlangt hat. Zeichnung, Drucker-schwarze, Papier, AlleS ist vortrefflich. Er warder erste Trucker, welcher einzelne Eremplarc seinerAuflagen auf feineres und stärkeres Papier abzog,zuerst die „ 15i,!«t»Iae xr!>ec»e" von 1499, über-haupt Großpapiere lieferte („I>I>!Io5tr»tus") undeinige seiner Classiker, wie den „Huimlliau" und
die „liibi-I 6<z rs rustlc-l", durch Abdruck aufj blaues Papier zu bibliographischen Seltenheiten zumachen suchte.
Vor Allem aber sind seine Pergamcntdrucke aus-gezeichnet. Seine Verdienste um die Wissenschafterwarben ihm die Gnnst der Fürsten und die Freund-schaft der Gelehrten, iu deren Reihen er selbst alsVerfasser einer griechischen und lateinischen Gram-matik, eines griechischen Le.rikou's und einer Ein-leitung in die hebräische Sprache glänzt. Die beidenPapste Julius II. und Leo X . waren seine Gönnerund uuterstützteu seine Bestrebungen durch Privile-gien. Das letztere vom Jahre 151?, durch den be-rühmten Cardinal Pietro Bembo unterzeichnet, istso abgefaßt, daß es dem Geber wie dem Empfängergleiche Ehre bringt. Der Bibliograph der Aldinen,Renouard in Paris , hat dieses schöne Docnmentfürstlicher Anerkennung in der dritten Ausgabeseiner Annalen, Seite 506 und folg. ausführlichmitgetheilt. Leider wurden jedoch die Lcbeustagedieses großen Typographen öfters durch unglückliche,besonders politische Ereignisse getrübt. Er starbam 6. Februar 1516 an den Wuudcu, die er vondrei Meuchelmördern empfangen; doch sein Namelebt fort in nie erlöschendem Ruhme. Ein schönesBild seines thätigen Lebens hat Renouard in seinen^miüles lies ^läe, l'om. II. x. 33-40. entworfen,und Ebert am Schlüsse des ersten Bandes seinesbibliographischen Lcritons ein genaues Verzeichnißseiner Druckwerke zusammengestellt.
Während der Minderjährigkeit der Kinder desAldus setzte sein Schwiegervater Andrea d' Asola(Asolanns), von seinen beiden Söhnen Francescound Fedcrico unterstützt, das Geschäft bis 1529 fort.Nach dessen Tode blieb die Werkstatt bis 1533 ge-schlossen und erst in diesem Jahre erneueten dieSöhne des Aldus und Asola in Gemeinschaft unterder Firma: „In aedibns Iiaerscliim ^I<ti KlamitüUvinilnl et ^ixti-elle .^»»lini «oceri" die Arbeitenihrer Väter nnd zwar unter der Leitung des
Paolo Manutio,
von 1533 bis 1562,
des dritten SohncS des alteren AlduS, der vondemselbeu Eifer für Wissenschaft und Kunst wie