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Venedig. — Daniel Nomberg.
Nicht weniger schön, ja prachtvoll ist das ein Jahrfrüher gedruckte „Missale möimsticü s?m («ocun-<I»I») zsuctudine (con«uetu6inem) ordinis Vallis-umlirose. Ven. 1503." Fol- Das Geschäft dcSLuc-Antonio setzte sein Sohn T'omaso und nachihm dessen Neffen unter dein Namen der Erben vonLuc-Antonio Junta, oder auch nur „!>i»i<I Anitas"fort. Von dein gleichzeitigen berühmten Buch-drucker Grcgorius de Gregoriis brauchen wir nurdas in der Bibliographie so viel Aufsehen erregendevon 1^16 zu nennen, um aus die Höheseiner Künstlerschaft aufmerksam zu machen.
WaS die Manntier für die griechische und latei-nische Literatur, war
von 1517 bis 1550,
auS Antwerpen , für die hebräische, ein Mann vonunermüdeter Thätigkeit, der für Erreichung seinerZwecke sich der größten Opfer fähig zeigte. Seinenäheren LebenSumstäude sind völlig unbekauut. Umdas Jahr 1517 errichtete er, von Fclir Pratcnsiö inder hebräischen Sprache unterrichtet, zu Venedig eineausschließend der hebräischen und rabbinischen Lite-ratur gewidmete Offieiu. Der Druck hebräischerBücher war bisher fast einzig in den Händen derjüdischen Typographen zn Soncino, Neapel, Fano ,Pesaro und Constantinopck. Bomberg suchte nichtmir den Juden, sondern auch den Christen zu die-nen. Für letztere waren zunächst seine ebenso schonenals corrccten fünf Handausgaben der Bibel von1517, 1521, 1525, 1533 und 1545 bestimmt, welcheals die ersten in ihrer Art noch jetzt eifrig gesuchtwerden. Für jüdische Gelehrte hingegen waren diemit einer Auswahl der besten rabbiuischen Com-mentarc ausgestatteten BibclauSgabcn von 1517,1524 und 1547, jede in vier Folianten, n.och mehraber die äußerst kostbare AuSgabc des babylonischenTalmud von 1520 iu zwölf Foliobäudeu nebst meh-reren andern rabbiuischen Werken berechnet. SeinCorrector war der gelehrte Chaja Maier Ben David.Ihm gebührt das Verdienst, den hebräischen Typen,ohne Verletzung ihrer Eigenthümlichkeit und ihresursprünglichen Eharakterö, den letzten Nest desEckigen, welches sie in den frühern Drucken noch
an sich hatten, mit solchem Glücke zu benehmen, daßsein Typenschnitt als die letzte Grenze betrachtetwerden kann, wie weit man überhaupt in der Ver-edlung der Buchstaben gehen dürse. Die schönsteProbe seiner Kunst hat er in dem einzigen bekanntenPergamentdrnck der QuartauSgabe der Bibel von1525 geliefert, welche eine Zierde der WolsenbüttlerBibliothek ausmacht. Die Thätigkeit seiner Pressenhört um daö Jahr 1550 auf und wahrscheinlich falltauch sein Tod in diese Zeit. Vom Anfange des sechs-zehnten Jahrhunderts an wurde hier auch in anderenorientalischen Sprachen gedruckt. So gab Paga-nini von Brescia 1518 den „Kora::" in arabischerSprache heraus, die erste aller gedruckten Ausgaben.Gleichzeitig beschäftigten sich anch die Pressen vonFano und Genua mit morgenländischcn Sprachen;Venedig aber nebenbei noch mit dem slavonischenIdiom, denn 1527 wurde hier in russischer Sprachegedruckt und 1523 erschien ein glagolischcs Meßbuch.
Wenn gleichwol anf europäischem Boden begrün-det, dem Geiste und der Form nach aber acht astatischnimmt die Druckanstalt der Mcchitaristen von St.Lazaro ans der gleichnamigen Insel bei Venedig dieAufmerksamkeit aller Freunde der Typographie inAnspruch. Das älteste Druckwerk dieses von demArmenier Mcchitar im Jahre 1701 gestifteten Klo-sters ist wol die Bibel von 1733 in groß Folio mitKupfern. Zn den bedeutendsten Erzeugnissen seinerPresse aber gehören der „ ?I>es-uirus iinguae arme-mcsv " und die vom Pater Baptista Aucher heraus-gegebene „Chronik des Eusebius" in armenischer,lateinischer und griechischer Sprache. Von derWichtigkeit der alten armenischen Handschrift dieserChronik für die gelehrte Welt überzeugt veran-staltete man eine Quart- und eine Folioausgabeaus schönem Weißen Druck - und Velinpapier; fernerdas „ visionär!» si-meiio - lettersle " V0N 1749 in
O-nart und Peters und Pauls Cäsarowitsch ausConstantinopel „ Beschreibung der Stadt Calcutta "von 1832 in klein Folio. Als Probe der Viel-seitigkeit ihrer Typen kann die hier 1837 erschieneneAusgabe der „preces Sancti ferset!« ^rmeniorumI^tri-li-cli-xz" in 24 Sprachen gelten. Die Ver-dienste Venedigs um die Typographie haben Paitoni,Pellegrini und Kiuderliug geschildert.