Druckschrift 
Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
Seite
269
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pasel. U. Aodt oder Not. U. Aichcl. M. wenßlcr. I. Frobcn. 269

Typographie im Allgemeinen eine der berühmtestenStädte. Ein Druckfehler in dem Nefornmtoriumritae moruml>ue rlcricorum", wo in der Schlnß-schristUasilcac 1444." statt 1494. zn lesen ist und

worüber in den HIemolre« cls Irevnux, !,MK>e 1764,

füllet, ^>-lA. 103-137 ausführlich gehandelt wird,gab zu der Meinung Veranlassung, daß Basel inder Erfindnngsgeschichte den Städten Mainz undStrnßburg den Rang streitig machen könne. DieseAnsicht aber ist längst gründlich widerlegt und dasürangenommen, daß

Berthold Rvdt oder Rot

auS Hanan, nach Heidegger wahrscheinlich früherGehülfe in der ersten Druckerei zu Mainz , um dasJahr 1470 daselbst die erste Presse errichtet habe.Sowol die Gründung der Universität Basel im Jahre1460, als eine alte Sage, es sei die Knust kurzeZeit uach der Erfindung in ihren Mauern ausgeübtworden, unterstützen diese Annahme.

Bernhard Richel,

von 1474 bis 1486,

ist der Erste, dessen Name auf den Incuuabeln zu-gleich mit der Jahreszahl erscheint. SeinSassen-svicgel" von 1474. in Folio, kann demnach als derfrüheste datirte Baseler Druck betrachtet werden.Auszeichnung verdienen zwei lateinische Bibelaus-gaben von 1475 und 1477, sowie die deutscheUebersetzuug dcS I?usc!<-ulu« temi>ormn von WernerNolevink mit der Schlusischrist-Gedruckt abergerecht subcr und rein durch Hrrnmnster PcrnhartNichet Uurger zu Kascl als man znlt nocht derGeburt Christi mcccctrrrj Jor." Sein Neben-buhler in der Kunst und kurze Zeit hindurch seinDruckergenosse war

Michael Wenßler,

von 1476 bis 1487,

ebenfalls ein Baseler Bürger, welcher durch trefflicheLeistungen den Ruhm seiner Vaterstadt crhöhetc.Außer Nichel hatte er auch Friedrich Viel zum Ge-sellschafter. Sein Name war so geschätzt, daß ervon dem Abte des berühmten Klosters Cluguy nachFrankreich berufen wurde, um dort 1493 ein Mis-sale des Benedictiner Ordens auszuführen. Seine

Nachfolger waren: Johann Amerbach und EberhardFromoll von 1481 bis gegen das Ende des Jahr-hunderts. HauS Bcsicken oder Besikein druckte hiernnr knrze Zeit und begab sich nach Nom. PeterKolligker oder Kollicker und Hanö Meister vollen-deten 1484 gemeinschastlich daSPreviarium Li-stcrciensc", verschwinden aber alsdann ans derReihe der Baseler Typographen, während NicolansKeßler von 1486, Jakob von Psortzcn (Pforzheim )von 1488 und Michael Furter von 1490 allda dieKunst bis 1500 übten, verhällnißmäßig aber nnrwenige Denkmäler ihrer Thätigkeit hinterließen. Diehöchste Stufe des Ruhmes erreichte sowol durch dieTrefflichkeit als die Zahl seiner Werke

Johannes Froben ,

von 1491 bis 1527,

im Jahre 1460 zu Hammclburg in Franken geborenund ans der hohen Schule zu Basel gebildet, ansäng-lich Corrector in den Officincn Johann Amerbach's und Hans Petri's von Langendorf , welcher, einerder Ersten in Deutschland und der Schweiz , Ge-schmack nnd Genauigkeit der technische» Ausführungmit glücklicher Auswahl guter Schriftsteller zu ver-binden wnßte. Zeugniß hievon geben seine verschie-denen Ausgaben der lateinischen Bibel, das vonseinem Freunde Erasmus von Rotterdam besorgtegriechisch-lateinische Neue Testament in Folio, Quartund Duodez, sein Augustin und mehrere andereKirchenväter und Klassiker. Zu Titeleinfassuugeuuud Raudverzierungen seiner Bücher, zu den Ini-tialen n. s. w. bediente er sich der besten Künstlerin der Holzschneidekunst, besonders Hans Holbcin's,welcher nach dem AuSspruche dcö genialen Kunst-kenners von Rumohr nicht nur die Zeichuungcnlieferte, sondern selbst das Schneidemesser nnd denGrabstichel führte. Frobeu's Hans, schon damalswie noch jetzt nnter dem Namen zum Luft" bekannt,war der Sammelplatz aller gebildeten Männer vonBasel . Mehrere der ausgezeichnetsten Gelehrtenbeehrten ihn mit ihrer Freundschaft. Erasmus,dessen Werke er in 9 Foliobänden herausgab, hattesogar seine Wohnung bei ihm genommen nnd feiertenach dessen durch den Sturz von einer Büchcrleiterim Jahre 1527 herbeigeführten Tode sein Andenken