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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Purgdorf. Genf. Sursee. Zürich .

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auch Michael Isengrin (Islngrinus), welcher an-fänglich mit seinem Schwiegervater Johann Bebe-lius, spater aber allein druckte. Ihm verdanktman die zweite vollständige Ausgabe des Aristoteles,welche die Princeps deö Aldus an Schönheit über-trifft, I^eoiüuii'lU I?ueli«ii 8tiif'iain b!«t»r!a und eineMenge anderer trefflicher Werke. Um 1550 kommtJosias Münsch, genannt von Mecheln und 1685Conrad von Mecheln als Buchdrucker daselbst vor.Sie sind die Stammvater einer bis zu Anfange diesesJahrhunderts blühenden Typographenfamilie, diegleich dem Geschlechte derThurneiscn " durchmanches gelungene Werk den Ruhm ihrer Vater-stadt vergrößert haben. Die wichtigste Erscheinungder neuesten Zeit ist Wilhelm HaaS, dessen Ver-dienste um die Typographie in der dritten Abthei-lung dieses Buches bei der Stempelschneide- undSchristgießerkunst, besonders der Typomctrie naherentwickelt werden sollen. Sammt Flick, I. G. Ncu-kirch, Decker, Rottmann, Müller, Schweighänser,Wieland, Schneider, Spittler, Holdcnccker undThurnciscn sind in den Jahrbüchern der typogra-phischen Kunst bekannte und chrenwcrche Namen.Jedoch kann das jetzige Basel in Beziehung aufWissenschaft und Kuust nicht mit demjenigen des15. und 16. Jahrhunderts verglichen werden.

B n r g d o r f,

1 4 7 5,

im Canton Bern, ist nach Scemiller, Panzer undHeidegger der dritte Ort in der Eidgenossenschaft ,in welchem wenige Jahre nach der Ausbreitung derneuen Kunst von Mainz ans 1475 schon eineDrnckerprcsse anzutreffen war. Ebcrt hingegenhält die zwei jetzt höchst seltenen Drucke mit dem iOrtsnamenBnrgdorf",Joannis de Clusatrartatns dc avparitionilius animarum" undAgenda S. Wolfgangi", beide von 1475 in ^Folio, für deutschen Ursprungs und schreibt sie demgleichnamigen Städtchen im Hcrzogthume Lüneburg ,zwischen Celle und Hannover , zu. Drei und einhalbes Jahrhundert blieb der kleine, aber regsameOrt ohne Buchdruckerei und erst 1830 hat Schnelleine Officin begründet, die er aber bald wieder an iLanglois abtrat.

Genf .

1 4 78.

Diese von jeher durch großartige Unternehmun-gen in Wissenschaft und Kunst berühmte Stadt wett-eifert gleichsam mit Basel und Burgdorf ; dcuu schon1478 und vielleicht noch früher waren die Pressendes ersten Druckers, Adam Steinschanwer vonSchwcinfurt (6s Sl-Iui!»r»i'<I!a), daselbst in vollerThätigkeit. DieVies des S.iints" deö Erzbi-schofS Ximcnes vom 24. März 1473 sind sein erstesWerk, dein baldLc Liure dc Sapience" vonG. de la Noye folgte. Einige Wiegendrucke mitder Bezeichnung:Vliva AUobrogum" stammenvon dem wegen seiner Anhänglichkeit an die LehreCalvin's nach Genf geflüchtetcn Pariser Buchdrucker,Robert Etieime (Stephanns), her. Den NamenOliva entlehnte er von seinem Druckcrstock, zuwelchem er den Oclbaum gewählt hatte.

Der Eantou besitzt gegenwärtig 9 Officinen,als: Bonnart (die älteste), Ador, Fick, CharlesGruaz, Jarisse, Manrice, Oursel, Vignier (seit1835) und die linprimvr!« cbi I<'uil>->-a> zn Carougc.

S n r s e e.

1 5 0 0.

Diese kleine Stadt am Sempacher See desCantons Lnzern hat zu Anfang des sechSzehntcuJahrhunderts eine Drnckwcrkstatt besessen, aus derSchradin's poetische Beschreibung des Schwabcn-kriegs unter dem Titel:ChronigK dess Kriegs,gegen dem Allerdurchleuchtigisten Herrn Vom-scheu Iivuig als Ertzherzogen zu Vsterich und demschwedischen pundt dero sich des henlig RömischNich angenommen hat, cinsteilsi und stett vnnlcnder gemeiner eidgcnoschast des andern", mitder Schlnßschrift:GedrugKt vnd vollendet Inn der Foblichen Statt Kurse im Lrgow uff zinstagvor sank Anthengentag Im rvcc Jar" (1500)in 4. mit 42 Holzschnitten hervorgegangen ist.

3 » r i ch.

1 5 04.

Das früheste bis jetzt bekannt gewordene Druck-stück dieser alten berühmten Stadt ist die Ankündi-gung eines Armbrustschießens vom 6. Jenner 1504,