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ein Foliobogen, der in der Bürgerbibliothek aufbe-wahrt wird. Die ältesten Typographen sind Hansam Wasen und Hans Hager. Der Erstere begannseine Laufbahn 1503 mit einem Kalender, der ohneallen Titel auf der ersten Seite mit dem Verseanfangt:
„Im ncniier trinck ich guten unnVerstau ich vßder meister sin."
Der Letztere druckte von 1520 bis 1530 mehrereSchriften Zwingli'S . Auf anderen Werke» erscheintsein Name nicht. Die Namen beider Drucker ver-schwinden bald aus den Bürgcrbüchern der Stadt.Der wichtigste Typograph uud für Zürich das, wasFroben für Basel , war
Christoph Frvschauer,
oder, wie er sich in seinen Briefen öfters selbstunterschrieb, Christoffel Froschoner, auch Froschoverund Froschawcr, wahrscheinlich ein Sohn deSBuchdruckers Hans Froschaner, der zwischen 14S4und 1507 in AngSbnrg gewirkt hat. Er stammteaus Neuburg bei Oettingen in Baiern . Ueber desSohneS Jugendzeit fehlen die Nachrichten ganzlichund diese beginnen erst 1519 mit seinem öffentlichenAuftreten in Zürich , wo er das Bürgerrecht erhielt.Die ersten Spuren seiner nachmals so bedeutendenWirksamkeit finden sich 1521 in einigen Verdeutschun-gen von Erasmus Schriften- „Ein Klag des Fry-dls durch meister Fco Jud liitpriestcr des gotshußEinsndrl" und „Ein nutzlichc viioeruieisung eineschristlichen Fiirste wol zu regieren." Von nunan findet'sich sein Name als bestandiger Gefährtevon Zwingli's schriftstellerischen Arbeiten, die er,der Reformation eifrig zugethan, beinahe alledruckte. Durch ihn gelaugte Zürich in literarischerBeziehung zu jenem Flor, dnrch welchen es sich bisjetzt vor anderen Schweizerstädtcn so rühmlich aus-zeichnet. Aus seinen Pressen ging 1524 die erstein der Schweiz gedruckte Ausgabe der ganzen Bibelhervor, die er überhaupt in 21 verschiedenen Aus-gaben iu allen Formaten, 16 in deutscher und 5 inlateinischer Sprache, verlegte, die fast ebenso zahl-reichen Editionen des Neuen Testaments nicht mit-gerechnet. Sein Nnf war so groß, daß er sogarvon England ans Auftrage für seine Presse erhielt.
AnS dieser ging nnter Andern die erste englischeBibel „l'Iw Lible (b^iVIoses Lovsiilale) ?r^nte<Iin tbs Z'esrs ok onr lorde moxxxv. kol." l)ervvr.
Nur die Zueignuug uud daS Vorwort sind in Lon-don gedruckt. Sie ist mit Holzschnitten von HansScbald Beham geziert. Nebenbei verdanken ihmseine Zeitgenossen die Erscheinnng einer Mengevortrefflicher Werke von damals lebenden Reforma-toren und anderen Gelehrten, wie der des Zwingli,Bullinger, Bibliander, Pellikan, Peter Martyr,Leo Jud, Conrad Gesner , Hanns Stnmpf, RudolfGwalter und Badian oder Watt. Sein solidermit ächt wissenschaftlicher Bildung durchdruugcuerSpeculatiousgeist verschaffte seinen Verlagsartikelnbald einen großen Credit, so daß sein Geschäftsver-kehr auf der Frankfurter Messe immer bedeutenderward. Am 18. Herbstmonat schrieb er von Frank-furt ans an Zwingli : „Lieber Meister Ulrich ichlaß üch wissen, das die sachen wol stehn zu Frank-furt des Evangeliums halb, auch eurer geschriftenhalb; ich hab auch cuwer Bücher viel einzig ver-kauft gegen Lüten die allenthalbher darnach geschickthabend." Einen Blick in das Familienleben derdamaligen Drucker, die meistens auch zugleich Ver-leger waren, gewahrt ein Brief, den er am 18. Ja-nuar 1545 an Vadian nach St. Gallen schrieb, woes unter Andern heißt: „Der chrouick halb hat esdie gestalt, ich hab yetz sider (seit) martini denbesten maler so yetz ist bei mir jm hnß, gib imalti wncben 2 gr. vnd essen vnd drincken, dnt nüntÄnderst denn fignren rissen jn chronika u. s. w."Froschaucr'S Officin war Anfangs im Hause „zumWeingarten", im Jahre 1528 wurde sie in dasleerstehende Barfüßerkloster verlegt, 1551 aber,als der Magistrat diesem Gebäude eine andereBestimmung gab, kaufte er das ebenfalls unbe-wohnte Dominikanerkloster mit allen dazu gehö-renden Gebäuden und nannte diesen Wohnsitz „dieFroschau", welchen Namen sie bis auf den heutigenTag beibehalten hat. An seinem Bruder Eustachuud dessen Söhnen Eustach uud Christoph hatte ernoch bei Lebzeiten treue Gehülfen und uach seinemTode 1564 an Letzterem einen thätigen Nachfolger.Wurde gleichwol nach dessen Hinscheiden 1585, daer keine Kinder hinterließ, eine gänzliche Auflösung