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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Grauluinden. Puschlaui, Pusclav oder Poochinvo. Chur .

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Graubnnden,

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bot von jeher, im Verhältnisse zur Einwohnerzahl,die meisten Druckereien dar, deren Errichtung indemUebertrittc zum reformirten Glauben uud in demBedürfnisse nach Erbauungsbüchern ihren Grundhatte, welche in der eigenthümlichen Landessprache,dem romanischen und ladininischen Dialekte nirgendszu erlangen waren; daher hat auch im GottcShans-buude oder dem Ober- und Unter-Engadin dieThätigkeit der Presse fast ausschließend mir einereligiöse Richtung genommen. Im grauen Bundefloß hingegen aus den im siebenzchnten Jahrhunderteallda herrschenden Wirren uud Parteikampfcn denOfficinen mehr Arbcitsstoss politischen Inhalts zu.Die Reihenfolge der Ortschaften, in welcken dieKunst nach und nach heimisch geworden, eröffnet

Puschlaui» Pusclirv oder Poschiavo ,1 5 5 0,

Marktflecken im Unter- Engadin, wo ein dcmNamennach unbekannter Italiener mit einem in Brescia erkauften kleinen Vorrathe von Lettern und einerhölzernen Presse die erste Werkstatt errichtete, auswelcher 1552uns cuoitic et ci-i«t!imna tuormuäaiMl'aguIller la xioveMuns " von Jakob Tuschet oderBiverouiuS und 1607Hg IVuok ^eswment", diefrüheste Uebersetzung der h. Schrift in die roma-nische Sprache hervorgegangen ist. Nach einerPause von 170 Jahren ließ Thomas von Vassus,der in der Geschichte des Illuminatenordens eineRolle spielte, hier mehrere schätzbare Schriften initalienischer Sprache drucken. Um 1800 kam dieOfficin nach Bormio im Veltlin oder Val-Tellina.

C h u r,

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Coira oder Chour war der dritte Ort, denn 1562wurde, obgleich nur vorübergehend, schon zu S uschoder Süß gedruckt. Der Name des ersten Druckersist nicht bekannt, weil alle hier ausgeführten Werkeanonmn erschienen sind. Johann Georg Barbisch(lateinisch Lsrdisius) ist der Typograph, der sichauf Sprechers von Berneckeiironica i-bsstica"zum erstenmale nennt. Gegenwärtig hat Ehur drei

Officinen.- Otto'S Erben, im Jahre 1763 von JakobOtto aus Lindau begründet, jetzt im Besitze vonI. I. Grubenmann aus Appenzell , Christian Pra-della seit 1820 und Simeon Bencditt seit 1830.

Nach Chur folgen die Bergdörfer Ems seit1618, Schuls oder Scuol, 5000 Fuß über demMeere, seit 1668, wo der Engadincr I. I. Dona imJahre 1679 dieLi>>I!a iliaeti^" druckte, Schleinsoder auch Celino, Strada, romanischer Grenzortgegen Tyrol, Reichen au 1676, Cumbels ,romanisches Dorf im Luguetzcr Thale 1684, Chilt-jadira oder Nossa Douua bei dem Dorfe Truns1689, B onaduz seit 17V8, Stift DisentiS seit1729, dessen Drnckapparat bei der Einäscherung desKlosters durch die Franzosen im Jahre 1799 zuGrunde ging; die Masse der geschmolzenen Letternwnrde sodann zu Orgelpfeifen in die St. Marlins-kirche des Fleckens DisentiS verwendet; seitdem istkeine Osfiein mehr im ganzen obern Bunde vorhan-den; Cellerina in Ober- Engadin , wohin einigeGeistliche einen Setzer und Drucker aus Bergamo kommen ließen, welche den nöthigen kleinen Lettcrn-vorrath in einem Ranzen auf dem Rücken mit sichtrugen, die schlechte hölzerne Presse aber einem Eselaufpackten, weil damals noch kein sahrbarer Wegvon Eleven oder Ehiavcnna in das Ober-Engadinführte. Hier wurden die Regale und Kästen aufdem Bodeu eines Heustalls vom Zimmcrmann auf-geschlageu, als Gehülfe an der Presse der Stall-bursche gebraucht, welchem neben seinem Drucker-geschäfte auch die Abwartung des im unteren Stock-werke logirten EselS übertragen war. Sobald derWinter hereinbrach, kehrte der Typographenvercinaus gleiche Weise wieder iu die srcundlichcrc ita-lienische Heimath zurück, um im Frühjahre dieWanderung und das Druckgeschäft aufs Neue zubeginnen. So entstand eine merkwürdige Celle -riner Sammlung geistlicher Lieder in romanischerSprache, welche noch jetzt im Engadin das allge-mein gebrauchte Kirchengesangbuch bildet. EineZeitlang wurde auch in Malans , Marsch lins,Luz ein im Prättigau , Sins im Unter-Engadinund z^l Vicosoprano im GotteShauSbunde ge-druckt. Gegenwärtig ist Strada der einzige Ortaußer Ehur, wo ein Engadincr Buchbinder, Namens