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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Fondon. John UasKcrvillc.

von Freibriefen kund, welche man beill-msar-I,«tc. 1^»i«ton> 1825. gr. 8." Seite237-234 abgedruckt findet. Zu dieser Genossen-schaft gehörten aufanglich Abschreiber, Nubricatoreu,Kalligraphen , Illuminatoren, Vriesmaler, Papicr-machcr, Kunst - und Buchhändler, sowie hauptsäch-lich die Buchdrucker, und noch jetzt gehört in London -Alles, was in diesem Fache Handel und Gewerbetreibt, zu der Stationer Company .

Im siebeuzehnteu Jahrhunderte trat in Grosi-britanie», wie in allen Landern, ciue Periode desStillstandes ein und erst nm die Mitte des vorigennahm die Bnchdruckerkunst wieder einen lebendigenAufschwung. Wenn wir James Tonson, denDrucker des berühmten Elarke'schen Cäsar von 1712,in Folio, William und NicolaS Bowyer, Vaterund Sohn, von denen sich Letzterer durch seineGelehrsamkeit auszeichnete, uud Johu Brindley,dessen AnSgabenreihe der Klassiker mehr bekanntals geschätzt ist, hier mit Stillschweigen übergehen:so begegnen wir zwar nicht in der Hauptstadt, son-dern in Englands berühmtestem Jndustrieplatze Bir-mingham einem Manne, welcher auf die typogra-phische Kunst von dem höchsten Einflüsse war. Eineneue Aera für London sowie für das ganze Landbeginnt mit

John Baskerville ,

von 1757 bis 1775,

ursprünglich Schrciblehrcr und Lackircr in Birming-ham , welchem die veraltete meist unregelmäßige undgeschmacklose Type nicht mehr genügte. Er faßte 'daher 1750 den Gedanken, sich im Schristschneidcnzu versuchen. Seiner Beharrlichkeit gelang es, diemannigfachen Schwierigkeiten eines solchen Unter-nehmens zu besiegen uud in diesem ncuerwahltcnBeruse zu einem Resultate zu gelangen, welches nichtuur deu Beifall der Kenner gewann, sondernselbst auch seinen eigenen strengen Anforderungencntspracb. Die Universität Cambridge , das GeniedeS Mannes erkennend, unterstützte sein Bestrebenuud so kam denn 1757 sein Virgil in Mediangnartzu Stande, welcher allgemeine Bewunderung erregte.Diesem folgten bald mehrere lateinische Klassiker, .von denen der'Juvcnal und Persius von 176 l und ^

ganz besonders der Horaz von 1762 und 1770 heraus-gehoben zu werden verdienen. Diesen folgte balddie vr. Newton'sche Ausgabe desMilton", dieBibel in englischer Sprache und endlich als seinletztes Werk derOrlando Im-ioso" des Ariost, vierBande in gr. 8. auf Kosten der Brüder Molinigedruckt uud mit 47 Kupfern von den ersten Zeich-nern uud Kupferstechern Frankreichs geziert. SeineSchriften vereinigen mit einer schönen Form einegroße, man möchte sagen elegante Einfachheit undbedürfen weder des Kupferstiches noch des Holz-schnittes zur Verzierung. Auch findet man in Bas-terville'S Erzeugnissen, mit Ausnahme der einfachenKupfer im letzteren Werke, nichts von den sonstüblichen Ornamenten, Vignetten, Initialen, Rös-chen und dergleichen Verzierungen. Er galt langeZeit hindurch alleu seinen Nachfolgern als einzigesVorbild. In der lateinischen Cnrsiv oder Jtalicaist er unerreicht. Solch' eine Feinheit, Eleganz undvollkommene Symmetrie sucht man vergebens beiAldus und Colinäus. Er wußte mit der Eleganzder Plautinschen Type die Nettigkeit der Elzevir-schen zu verbinden, welcher ein sanfter Purpur-schimmcr eigen ist. Ueberall, wo er in seinem FacheVerbesserungen anbringen konnte, wie z. B. in derFabrikation und Glattuug deS PapierS, der Zube-reitung der Druckerschwärze, geschah dies gerausch-los und ohne jeneS pomphafte Gepränge, welchesso oft daS Geringfügige zur Wesenheit zu stempelnsich bemüht. Kann man seinen Lettern gleichwolMagerkeit und allzugroße Lange vorwerfen, welcherMangel besonders bei seiner englischen Bibel inFolio inS Auge sallt, und stehen seine Drucke auchden Prachtwcrkcu eines Bodoni uud Didot nach: sodarf man nicht vergessen, daß diese Männer seineNachfolger waren und deshalb jene Fehler um soleichter vermeiden konnten. Nach seinem 1775 erfolg-ten Tode kaufte eine literarische Gesellschaft in Paris ,an deren Spitze der geistreiche Beaumarchais stand,seine Schriftvorräthe und Letzterer druckte damit zuKehl die Prachtausgabe von Voltaire's Werken.Bei großer Rechtlichkeit hatte der seltsame Manndie entschiedenste Abneigung gcgeu allen äußerenGottesdienst, den er unter jeder Form für Aber-glauben erklärte. Er machte es daher auch seinen