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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Grsord. Theodor Nood uno Thomas Hunte.

Handlanger. Von den fünf Setzersälen hat dergrößte 270 Fuß in der Lange und eine damit imVerhältniß stehende Breite, die Schriftkasten sindzn beiden Seite» an den Fenstcrpseilern angebrachtund in der Mitte durch einen geräumigen Ganggetrennt. So sind auch die übrigen Setzer- undDruckersäle beschaffen. Zwei Dampfmaschinen setzen19 Schnellpressen oder Druckmaschinen in Bewe-gung, von denen eine jede 700 bis 1000 Bogen ineiner Stunde liefert; 5 hydraulische Pressen, einejede zu 260 Tonnen Gewicht bereiten die ungeheuernMassen des Papiers nnd 15 Eisengufipresscn nachder neuesten und zweckmäßigsten Banart sind bloszu feinerer Arbeit, wie zu Prachtdrncken u. dcrgl.bestimmt. Der Papierbcdarf einer einzigen Wocheübersteigt oft 2000 Ries. Die Stereotypie liefert an1000 Werke, darunter allein 72 Bibeln. Die erstenKosten der Platten werden zu 400,000 Pfd. St.angeschlagen nnd selbst als altes Metall zum Wieder-einschmelzen ans 70,000 Pft>. St. berechnet. DasGewicht derselben soll sich nach 1'imperle/, a victio-nar^ et'Printers ->n<l prlntin^, I,nn<lon 1839." gr. 8.x. 920, auf 2-3000 Tonnen belaufen. ES findensich gegenwärtig an 50,000 Holzstöcke in dieser Rie-scnofsiein, von denen Abklatsche nach allen Län-dern Enropa's und Amerika's versendet werden.Eine auosührliche Beschreibung derselben liefert daö Husrterl)- Kevlen 1840 1-30."

Aus diesem Beispiele einer Privatanstalt magman auf die ungeheure Größe und Macht derenglischen Presse schließen. Denn sind gleichwoldie übrigen Ossicincn Londons und des britischenReiches nicht von gleichem Umfange, so müssen siedoch, wenn sie in der Concnrrenz Schritt haltenwollen, dazu im zeitgemäßen richtigen Verhältnissestehen. So beschäftigt der Druck der einzigen Zei-tung1'iie 1'imes» beinahe hundert Menschen.Während der Sitzung des Parlaments sind minde-stens zwöls Stenographen im Ober- nnd Unter-hause beschäftigt, von denen abwechselnd ein jedernach einer Stunde sich zurückzieht, um den Theilder mit Schnellschrift angemerkten Rede in gewöhn-liche überzutragen. Unterdessen sind 50 Setzer uuuu-terbrochen in Arbeit; einige haben den Anfang einerRede gesetzt, indeß andere die Fortsetzung des kaum

trocken gewordenen Mannscriptes auf dem Tenakelhaben, dessen weiterer Verfolg sich noch in denHänden des Schnellschreibers befindet, während derSchluß noch die Wände des Sitzungssaales durchden Beisall der Hörer erbeben macht. Kolossalevon Dampfmaschinen getriebene Schnellpressen lie-fern 4000 Abdrücke in einer Stunde und 12,000Eremplarc dcS Niesenformats in 6 Stunden, so daßman in London und der Umgegend beim Frühstücklieset, was selbst nach Mitternacht in dem Parla-mente verhandelt worden war.

Oxford.

1 4 7 8.

Von der ehrwürdigen Westminsterabtei in derHauptstadt des Landes kam die junge Kunst alsPriesterin der Wissenschaft zuerst nach dem altenvon Alfred dem Großen gestifteten Mnsensitze Qrfordund fand nicht nur gastliche Aufnahme, sondernauch trene und sorgfältige Pflege bis auf unsereZeit. Lange sind die Bibliographen uneins gewesenüber das erste Buch, welches hier seine Entstehunggesunden und ob überhaupt nicht hier die Wiegeder britischen Typographie gestanden habe. Doches ist bis zur Gewißheit entschieden, daß jene viel-besprochene Erpositio Sancti Icrommi in Sim-bolum Avostolorum", die Meermann dem Nie-derländer Corsellis zuschreibt und von welcher nurdrei Eremplare (in der Bodleiana , in der Biblio-thek der Königin und zu Cambridge) bekannt sind,nicht wie die Schlnßschrift durch einen Drncksehlersagt 1468, fondern erst 1478 die Presse verlassen habe.

Theodor Rood und Thomas Hunte,

Ersterer, wahrscheinlich Rndt, ein Deutscher ausCölu, Letzterer ein Engländer, druckten hier außerdem schon erwähnten Buche von 1478,Aristo-tclis Cthica" undAcgidius Noinanus, de per-rato original!"» auchFrancisci Aretini oratorisPhalaridis epistolarum c graeco in latinum vor-sio", ohne Angabe des Jahres. NachHerbertl^x. ^Nti-I. III, 1395" dürste der Druck zwischendas Jahr 1478-1485 zu setzen sein,vilickn,Libliotbeeg, Snenceriims, IV, 352" hält diese Bücher