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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Schottland. Edinburg. Abcrdeen. Glasgow .

Nach Ossian'S poetischer Heimath

Schottland

kam die Kunst erst 1507 und wurde zuerst inder Hauptstadt Edinburg (in gälischen BüchernDun-Endain") nnter dem Schutze Jakobs VI.durch Wetter Chepman, einen Kaufmann, nnd An-drew Myllar, einen Handarbeiter, ausgeübt. Biszum Jahre 1576 kannte man daselbst noch keinegriechischen und hebräischen Lettern; kamen imTertewelche vor, so wnrde der Nanm dafür frei gelassenund mit Tinte ausgefüllt. Die von Arbuthnot undBassendine gedruckte Bibel von 1576-1579 ist daserste Buch, worin (Hevel-tt. XII, 18. Note) der-gleichen vorkommen. Nichts desto weniger gebührtEdinburg der Nuhm, die ersten Versuche der Stereo-typie ins Leben geruseu zu haben. Wer kennt nichtWilliam Ged's ans diese Weise gedruckten Saltustvon 1736 in 12.? Das hier angewendete unvoll-kommene Verfahren wird in der dritten Abtheilunggeschildert werden. Seine beiden Söhne, ebenfallsBuchdrucker, starben in Jamaica . In neuester Zeitwetteifert Edinburg mit London , Orford und Cam-bridge und läßt an Vollkommenheit seiner Lei-stungen die dritte Hauptstadt des britischen Reiches,Dublin , weit hinter sich zurück. Einer der gelehr-testen Buchdrucker Schottlands war Thomas Nud-diman, der zu Anfang des vorigen Jahrhundertsin Cdinbnrg thätig war. Außer demselben ver-dienen noch James Walson, George Namsay,Eolin Macfarquhar, Sir David Hunter, Blaicrund Bruce Erwähnung.

Ab erde en,

1 5 52,

durch seine 1494 gestiftete Hochschule wissenschaft-lichem Streben anheimgegeben, erhielt die Pflegerinderselben vor allen andern Städten Schottlands .Wer das früheste Buch, des Erzbischofs und PrimasJohn Hamilton S Katechismus von 1552 in 4., hiergedruckt hat, ist unbekannt. Nach langer Unter-brechung wurde die Kunst erst 1633 zuerst wiedervon Barron und nach ihm von Naban bis 1649,dann von James Brown bis 1662, und endlich von

John Forbcs bis 1700 geübt. Letzterer hat sogareinige musikalische mit Typen gedruckte Werke undden ersten Almanach in Schottland für 1677 unter

dem Titel: Iie^v I^ognostication »üücuted lor

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Während der bürgerlichen Unruhen lag diePresse fast ganz darnieder und erst um die Mittedes achtzehnten Jahrhunderts brachte sie JameSChalmerS, der Herausgeber der ersten schottischen

Zeitschriftl'lw ^bei'lleen ruurnul", nxizil ein

Bericht über die Schlacht von Cullodcn 1746 dieVeranlassung gab, wieder zu Ehren. Gegenwärtighat Aberdeen drei Officinen.

Glasgow .

Im vorigen Jahrhunderte leisteten in typogra-phischer Beziehung wenige Städte mehr als dieseblühende Stadt mit ihrer von Jakob IV. um 1494gestifteten Universität. Zwei Brüder, Robert undAndreas Fonlis, von denen der Erstere anfänglichBarbier, der Andere französischer Sprachlehrer ge-wesen, gaben hier von 1743 bis 1774 eine Reihen-folge classischer Autoren heraus, die derjenigen vonBarbou und Bodoni an die Seite gesetzt zu werdenverdient. Die vorzüglichsten sind: Cicero von 1749,20 Bde. in 12., das Neue Testament in griechischerSprache von 1750, Homer von 1756 - 58 , 4 Bde.in Folio, Thucydides mit der lateinischen Uebcr-setzung von 1759, Herodot von 1761 und Xcnophonvon 1762-57. Gänzlich frei von allen Druckfehlernist ihr Horaz von 1744, da sie die Probcbogen,wie einst die Etiennes in Paris gethan, öffentlichaushängen ließen und für jeden Fehler eine bedeutendeSumme bezahlten. Der große Eifer, die schönenKünste durch die Begründung einer Kunstakademiein ihrem Vaterlande emporzubringen, führte diebeiden Brüder ihrem Rnin entgegen; Andreas starb1774 und Robert sah sich genöthigt, seine Gemälde-sammlung, deren Katalog drei Bände füllte, inLondon um sehr niedrige Preise zu verkaufen.Einer ihrer Nachkommen lieferte noch bis 1306 guteAusgaben von Klassikern, namentlich einen Virgilin zwei Bänden 1778 und Aeschylos von 1795 inFolio. Auch in neuester Zeit wird hier die Kunstin großer Vollkommenheit geübt.