Druckschrift 
Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
Seite
369
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Farbrndruck.

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Heinrich Goltz, Friedrich Bloomart und Louis Bu-sink in den Niederlanden , durch Edward Kirkall undJohn Jackson, als nur im Einzelnen und mehr fürden Äuufthandel als für typographische Ausstattungbestimmt, hier nur andeutend, gehen mir zu derAnwenduug dieses Kunstzweigcö auf den Bücher-druck über. In dieser Hinsicht haben Arthur Poudund Georg Knapton zwischen 1730 und 1740 dieBahn gebrochen. In ihren nach Skizzen berühmterMaler ausgeführten Blattern sind der Grund, dieDraperien und andere Theile der Zeichnung vonHolztafeln über die Umrisse des KupserplatteudruckeSabgezogen. Graf Antonio Zanetti um dieMitte des vorigen Jahrhunderts und die Briten Iohn Baptist Iacks on und Georg Skippcum 1733 bildeten daS Verfahren noch mehr ans.

Nach fünfzigjährigem Stillstande lenkte Wil-liam Savage durch sei» Werk:?racti<:al Iiintson (lecorativL sii'inting" I^oinlo» 1822 in kl. Foliozuerst wieder auf diesen Kunstzweig. Er bemühctesich seit I. B. Jackson's Zeit zum erstenmale wieder,die Grenzen desselben bis auf die Darstellung vonmehrfarbigen Zeichnungen auszudehnen, und sofinden wir denn in feinem Werke nicht nur einengeschmackvollen mit schöner Goldschrist gedrucktenHaupttitel, einen rothen und schwarzen Nebentitel,Faefimilc'S von Lord Spencer'S Verkündigung ",Scl'öffer'SP" (I^>»tus), 6 Blatter mit Musternvon Druckfarben, eine Abbildung der BeuSlev'schenMaschine, von Elymer'S Columbiapresse, Niualdound Armida nach Thurston von Nesbit (Buntdruck-blatt in 8 Farben), die Grotte der Verzweiflungaus Spenser'sr'serr? <Zue<?" " (Holzschnitt vonBranston nach Thurftou), mehrere Antiken auS dembritische» Museum, als Statuen, Büsten, etruskischcVasen, je im betreffenden Farbentone, Mosaikfuß-boden, uaturhistorische Gegeustände, als Nelke,Schmetterling, Papagei), Tiger in einer tropischenGegend, Landschaft und das Speneer'fche Familien-wappen (Buntdruck), ein reichverzierter Anfangs-buchstabeR" iu Grün und Gold mit Arabeöken-cinsassnng u. s. w. Der Druck ist theilweise durchSavage, theils durch Johnson bewerkstelliget.

DaS Höchste im Farbendruck hat bis jetztG. Barter in seinem plctoi-isl .^lbum: o>-

Lichwet »s jüi!m!>ig« ", I^nittlun 1837 in 4. geleistet.Durch unermüdliche Ausdauer hat er als Graveurund Drucker die Schrauben des vou Kirkall, Jackson,Skippe und Savage befolgten Verfahrens so weithinauSgerüekt, daß die Benennung(^'lair-Obscurstich" auf seine Leistungen im Eovirenvon Gemälden in alten Farbe» nicht mehr paßt.Am füglichsten ließe steh dieser, von ihm gewisser-maßen ganz neu erfundene kunstzweig mit demNamenGemäldedruck" belegen.

Seine Methode ist folgende. Die Grundzeich-nungen seiner Eopien werden von einer Stahlplatteabgezogen, auf die verlorenen Umrisse alSdann soviele wirkliche Farben von Holzplatten abgedruckt,als bestimmte Tinten und Töne in dem Gemäldevorkommen. Die eigentliche Grundfarbe deS PapicrS,auf welcbeS die Gemälre aufgelegt zu seiu scheinen,ist durch den Abdruck eiuer glatten Kupfcrplatte, diewie ein Holzschnitt behandelt wird, gewonnen. Vonder Schwierigkeit dieses DruckversahrenS kann mansich einen Begriff machcn, wenn man erwägt, daßeinige Blatter nicht weniger als zwanzig Mal unterdie Presse kommen, und die einsachsten, hinsichtlichdes Kolorits, schon 10-12 Platten erfordern. Aberes wird dann auch etwas geleistet, was alle Erwar-tungen übertrifft. Von der Möglichkeit, Gemäldejeder Art auf dem Wege dieses Druckverfahrensnachzuahmen, geben die in dein genannten Werkeenthaltenen Blätter den sprechendsten Beweis. Beidem Beschauen vou Barter's Eopie derAusichtvon Verona" nach Prout, desInnern der EapclleWarwick" nach Holland , uudJennh Deane'sZusammenkunft mit der Königin" nach MistreßSeyffarth frägt man sich unwillkürlich, ob wolder Pinsel eine bessere Nachbildung hätte liefernkönnen.

Um dieses in der Wirkung zwar unübertrefflicheVerfahren durch Wohlfeilheit zu überflügeln, hatder unermüdliche Knight, der Begründer uudVerleger des?enn^ Al-ix»-/!,«!" folgende Druck-weise ansgedacht: sämmtliche Holztafeln, je mitihrem Farbcntonc versehen, liegen auf einer dreh-baren Scheibe; das Papier, auf dem die Abdrückegemacht werden sollen, stehet fest und zwar in ebensovielen Blättern, als Holztafeln vorhanden sind.