Druckschrift 
Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
Seite
370
Einzelbild herunterladen
 
  

370

Congrcvcdruck.

Wird nun die Scheibe gedreht, so sind vier Blätterzu gleicher Zeit fertig.

Die Franzosen eifern den Engländern im Bunt-drucke nach, ohne diese jedoch ganz erreichen zukönnen. Laerampc K Comp. in Paris liefern hierindas Beachtenswerteste. Wir machen hier nur ausdie Ornamente zum verlorenen Paradies ", heraus-gegeben vonOpigcz, aufmerksam, wo vor dem vier-ten Gesänge eine Tafel in 7 Farben und 24 Tönen,lediglich mit zwei Platten bewerkstelliget, in derThat Bewunderung verdient.

In Deutschland stellte Gubi tz in Berlin seit1834 Stickmustcr mit allen Farben, ohne daß irgendein Pinselstrich nöthig wäre, auf der Buchdrucker-presse her. Das Gediegenste im Buntdrucke aberliefern Häncl in Magdeburg und Berlin , Naumannin Frankfurt a. M., Haase Söhne in Prag , Teubnerund Hirschfeld in Leipzig, von Zabcrn in Mainz und HaSper in Carlsruhe .

Congrevedruck,

nennt man eine besondere, jetzt sehr beliebte Artvon Farbendruck, dessen Herstellung man dem Er-finder der Brandraketen, Sir William Congreve (geboren 1772, gestorben 1825), sowie dem berühm-ten Mechaniker Donkin und seinem Associe WilkSin London im Herbste 1824 zu danken hat. Diesehr sinnreiche Verfahrnngöweise ist aus dem Be-dürfnisse entstanden, die verschiedenen sonst nöthigenFormen nnd den mehrmaligen Druck eines BogenSzu vermeiten. Das Wesentliche liegt in der Be-schaffenheit der von allen anderen unterschiedenenDrncksorm. Man denke sich eine nicht zu dünneMetallplatte, mit Durchbrechungen von beliebigerForm, deren Wände schräg zugehen und sich nachunten erweitern. Wird die Platte alsdann um-gekehrt und auf ihre Hintere Fläche bis zurgewöhnlichen Schrifthöhc Metall aufgesetzt, sofüllen sich auch jene Oefsmingcn mit demselbennnd die Oberfläche kann, glatt abgeschliffen, mitZeichnungen durch die Gnillochirmaschine oder denGrabstichel versehen werden. Es wird einleuchten,daß die obere Platte wegen der Form der Wändeihrer Oeffnungen von der unteren abgehoben und

willkürlich wieder aufgesetzt werden könne, und daßdie Linien der Zeichnung jedesmal ohne alle Unter-brechung auf einander treffen werden. Beide odermehrere Stücke getrennt, jedes mit einer anderenFarbe versehen, dann aber zusammengestellt und miteinem Male unter die Presse gebracht, liefern dannzwei- oder mehrfarbige Abdrücke, deren Farben sogcnan einander berühren, wie dieß durch keineandere der bekannten Methoden zu erreichen ist.Eine Hauptsache bleibt aber auch die Presse, welcheso eingerichtet sein muß, daß sie, nachdem jede derdurchbrochenen Druckformen durch die Auftrage-walzc die nöthige Farbe erhalten hat, den buntenAbdruck auf einmal besorgt. Bis jetzt ist diesesVerfahren im Großen freilich nur bei Banknoten,WaarenetiguctS und Bekanntmachungen aller Artangewendet, doch werden in England auch schönetypographische Arbeiten geliefert; in unserem Va-terlandc hat Schäffer in Frankfurt a. M. anch mitgrößeren Blattern, z. B. bei seiner Ausgabe desVaterunsers, gelungene Versuche gemacht.

Frankreich ist merkwürdiger Weise in diesemFache nicht so wie in allen übrigen der Buchdruckcr-knnft vorwärts geschritten. Nur daS AlleS umfas-sende großartige Haus Didot und die ncucrrichteteOffiein unserer LandSlcutc Bauerkcller und Gutschzeichnen sich darin ans. Didot hat für ähnlicheArbeit in Gemeinschaft mit Gauchard ein besonderesEtablissement, eine InM-imei-is pol.vei-ume" in derKus lies be-uix-lll'ts eröffnet. ES ist dasselbe vor-zugsweise mir Hänel'schen und Naumann'schen Or-namenten versehen. Die übrigen Druckanstalten inParis beziehen die bcnöthigtcn Congreveplatten ausDeutschland .

Diesen KnnlIzwcig haben überhaupt nebst denBriten die Deutschen am weitesten vervollkommnet.Aus dcu Osfieincn von Naumanu in Frankfurt a. M., von Hänel in Magdeburg , Haase Söhnein Prag, Teubner und Hirschfeld in Leipzig , Hasperin Carlsruhe und von Zabern in Mainz sind treff-liche Arbeiten hervorgegangen, die das sprechendsteZeugniß ablegen, welche hohe Stuse der Ausbildungdie Typographie in unseren Tagen erreicht hat.Das hier beigcgcbene Product aus der Teubuer'schenCongrevcdruck-Anstalt möge als eine werthvolle