Druckschrift 
Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
Seite
372
Einzelbild herunterladen
 
  

372

Guillochirliunst. FacsimiledrucK.

GuillochirKu »ist,

ist einer der neuesten und um so beliebteren Zweigeder Typographie, je seltener er wegen der hohenKosten des da-u nöthigen 'Apparates in Anwendunggebraut wird. Unter dem Gnillochiren verstehtman daS Einscl'neiden gehörig gezeichneter undgeordneter Zierathen an der Oberfläche gewisserGegenstande in jeder beliebigen Tiefe mittelst eigenerMasel'inen. So verschieden auch die Vorrichtungenzu diesem Zwecke sein mögen, so lassen sie sichdoch, ans die Buchdruckerkunst angewendet, auf dreiHauptarten zurückführen. Entweder ruhet der zumEinschneiden erforderliche Meißel und der Gegen-stand erhalt solche Bewegungen, daß seine zu ver-zierende Oberfläche an der Spitze dieses scharfenInstrumentes so hingleitet, wie eS die Verzierungsowol ihrer Richtung als ihrer Tiefe nach erfordert;oder umgekehrt, es ruhet der Gegenstand und dasSchneidecisen erhalt die den Ornamenten entspre-chenden Bewegungen', oder endlich können gleich-zeitige oder ungleichzeitige Bewegungen beider Theilemit einander verbunden werden, welcher Fall wolnoch am häufigsten vorkommt.

Die Guillochirmaschinc ist ursprünglich eineenglische, späterhin aber in Frankreich verbesserteErfindung und wurde aufanglich nur zur Metall-gravirnng, als zum Verzieren von Dosen, Uhr-gehäusen nnd Juwelierarbeiten angewendet. UnsereZeit hat sie mit mancherlei Abänderungen auch fürden Kattun - und Buchdruck anwendbar gemacht.

Um nicht nur die eonecntrischen, wunderbarverschlungenen Ornamente, sondern auch die wellen-förmigen Verzierungen mit AtlaSglanz für Druck-formen zn erreichen, sind durch den erfinderischenGeist neuer Mechaniker noch ->) die sogenannteneveentrischen Vorrichtungen, l>) das Ovalwcrk undc) der Vpicheloid-Apparat (I>I»cI>ine epic^cloicle);

<l) das Portraitwerk, zu Ausführungen nach I>-mt-i-ellek«, deren Resultate nicht allein zum Typendruck,sondern auch zum Kupfer- und Stahldruck verwen-det werden können, hinzugekommen.

Die höchstcomplieirte Maschine, deren Hand-habung nnd Anwendbarkeit der mannigfaltigstenMuster zn beschreiben, gebricht es hier an Raum.

tteberdics würde jede noch so ausführliche Schil-derung des Mechanismus ohne Gcsammtbild undartistische Vorstellung seiner einzelnen Bestandtheiledunkel bleiben. Es genüge hier ans dessen Anwen-dung für den Dienst der Typographie hingewiesennnd angedeutet zu haben, daß die Hauelsche Osficinzu Magdeburg denselben zuerst in Deutschland ange-wendet und der wackere Verleger dieser Sacnlar-schrist, B. G. Tenbncr in Leipzig , gegenwartig dievollkommenste Gnillochirmaschine in unserem Vater-lande besitzt, welche für den eigenhändigen Gebranchdes hochgebildeten Marimilian Joseph'S besondersgenau und fleißig gebaut, Eigenthum der KroneBaicrnS war. Vou ihrer neuesten Leistung mögebeiliegendes Probeblatt Zeugniß geben.

Facsi miled ruck,

ist eine in England gebräuchliche Benennung fürDruckwerke, deren Typen genau nach dem Musterirgend eines bestimmten Codcr geschnitten sind.Die Idee, seltene Manuscriptc typographisch nach-zubilden , ist zuerst in Italien verwirklicht worden.Ans diese Weise ist im Jahre 1741. der berühmtemediceische Birgil durch eigendö nach der Handschristgeschnittene Lettern- zu Florenz in klein Quart andas Licht getreten. ES sind einige Ercmplare davonauf Pergament und andere auf Großpapicr ab-gezogen worden. Der Schriftschncidcr, Gießer undDrucker hieß Manni. Das erste größere Werkdieser Art, welches in England ausgeführt wurde,ist das anf König Wilhelm'S I. Befebl in zweiBanden geschriebene- Domesd^ Loolc". DasOberhaus ließ im Jahre 1783 diesen Juwel derenglischen Geschichte mit eigends nach dem imEhapterhause zu Westminster verwahrten Originalewichtiger National-Urkunden geschnittenen Typenbuchstabengetreu wiedergeben. Farley hat die Copiedes Textes, Nichols den Druck besorgt.

Hierauf folgte das Neue Testament auS demberühmten (^vllex ^Iex!>ncK'!nn8, einer Zierde desbritischen Museums, unter Leitung des vr. Woyde,von welchem jedoch nicht mehr als zehn Ercmplareauf Pergament abgezogen worden sind. Im Jahre1812 gab H. H. Babcr, einer der Bibliothekare