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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Irisdrnck. Hochdruck.

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Bereicherung dieser Säcularschrist zu näherer Ver-anschaulichung dienen.

Congreve hat eine besondere, jetzt nach ihm be-nannte Presse zu dieser Druckmethode erfunden, diehauptsächlich darin von allen andern abweicht, daßder Theil des Cylinders unter dein Papiere, wo derAbdruck stattfindet, mittelst eines entweder mit Lederoder Pergament bedeckten Filzes über die übrigeFläche des Cylinders in die Höhe erhoben werdenmuß, so daß nur dieser erhabene Theil mit der Formin Berührung kommt, während der andere darüberhinwcgrollt, ohne ihn zu berühren.

I ris druck,

wird der bunte Drnck genannt, wobei mit einerWalze zu gleicher Zeit mehrere Farben aufgetragenwerden, die bei gehöriger Vertheilung derselbenbeim kunstgerechten, aber allerdings nicht leichtenAbdruck in einander verschwimmen und ganz dieWirkung der Regenbogen hervorbringen. Nur istzu Erreichung dieses Zweckes ans die Polarität derFarben und passende Zusammenstellung derselbe»Rücksicht zu nehmen. DaS prismatische Farbenspiclwird dann immer in folgender nnäbändcrlicher Ord-nung sich darstellen- Roth, Orange, Gelb, Grün,Hellblau, Dunkelblau, Niolet. Eine kurze Schil-derung des technischen Verfahrens enthüll Meyer'SJournal 1835. S. 97.

Hochdruck,

oder Pressungen in Farben, von den FranzosenGaufragcs" genannt, ist ein fetzt immer mehr undmehr beliebter Gegenstand des vielfach verzweigtenBuchdruckes. Schon im sechzehnten Jahrhunderteverstanden die Buchbinder gar treffliche erhabenePressungen auf den mit Leder überzogenen Vücher-dcckcln anzubringen und haben überhaupt im Bücher-cinbindcn eine Stufe der Vollkommenheir erreicht,welche selbst die ersten Koryphäen dieses Geschäftesin unseren Tagen, ein Payne, Lewis und Heringin London, ein Bozerain und Simier in Paris , einLcisegcmg in Berlin, oder Stumme in Leipzig zuüberschreiten im Stande waren. Die Kunst dererhabenen Prägung auf Papier verschwand in der

Folge immer mehr, bis endlich die Briten sie neuer-dings wieder hervorsuchten nnd ihr eine große Aus-bildung verschafften.

Zur Ausübung des Hochdruckes ist eine hartezähe Masse erforderlich, in welche man den Gegen-stand gravirt, der weiß und erhaben hervortretensoll. Wird die glatte Oberfläche dieser Drncksormgesärbt, so entstehet ein einsacher bunter Grund;wendet man Congreve- oder durchbrochene Plattenan, so erscheint er mehrfarbig. Außer anderemMaterial eignet sich vorzüglich daS Papier zurHerstellung der Gaufragen, deren Druck auf dergewöhnlichen Presse gemacht werden kann. InDeutschland waren eS die Gebrüder Bauerkeller zuKarlsruhe (jetzt in Paris), welche England'S Bei-spiele folgten und um 1834 diesen Knnstzweig zueinem Aggregat der Typographie erhoben.

Seitdem sie sich in Frankreichs Hauptstadt nie-dergelassen, mit Gutsch verbunden und unter dem

Namen b'i>l>i!^»e 6<z ßMisi'u^eL VN eoulüiir" (dennals Nichtbrevetirte dürfen sie keine Buchdruckerei mitmobilen Lettern errichten) eine Anstalt für Hochdruckbegründet haben, scheint die frühere Abneigung fürdergleichen Arbeiten jetzt zu verschwinden und ihreschönen Leistungen für mancherlei Lurusgcgenstäudeimmer mehr uud mehr Eingang zu finden. Werkennt nicht die jetzt allerwärts verbreiteten Blumen-topfumschläge (Vi«!l»<z-i><>ts) in mehreren Farben,ihre die Lithophanic nachahmenden Licht- uud Lainpcn-schirme (^.bat-Mu-«), ihre buntgedruckten Mützcn-thcilc nnd Papierpressungcn für Portefeuilles, sowiefür allerlei Putzgcgcnständc der eleganten Welt?

Sie druckten unter andern den vielgepriesenenUmschlag zu Evcrat's Paul und Virginie, dem5lon plus Ultra der jetzt mit der Typographie Handin Hand gehenden Xylographie.

In Deutschland verdienen die zierlichen Hoch-druck-Arbeiten eines Naumann in Frankfurt a. M.,Hänel in Magdeburg , Hirschfeld und Tcubncr inLeipzig sowie G. Haasc Söhne in Prag alle Be-achtung.

Durch das unter der RubrikCongrcvc-druck" bcigcgcbeue Probeblatt aus der TeubncrschenPresse wird auch dieses Druckverfahren näher ansLicht gestellt.