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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Lithotypographie.

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jenes MusenmS, auch die Psalmen mit den näm-lichen Typen heraus. Noch bleibt vr. Kipling'sAusgabe der vier Evangelien und der Apostel-geschichte nach dem Beza'schen Coder zu erwähnenübrig. Sie ist 1793 zu Cambridge in zwei Bändengedruckt und in seder Beziehung ein noch uner-reichtes Meisterstück typographischer Kunst.

Der Facsimiledrnck, obwol höchst kostspielig,indem die Typen eigends zu diesem Zwecke geschnit-ten und gegossen werden müssen und zu keinemandern Werke mehr gebraucht werden können, hatdas große Verdienst, überaus seltene Mannscriptevor dein Untergange zu retten; denn sollte auch jedem Original ein Unfall begegnen, so wird das-selbe durch die treue Nachbildung ersetzt. Noch hatDeutschland diesen Zweig der Typographie nichtgepflegt. H. C. M. Nettig's dem Originale treunachgebildete Ausgabe des ^nti<zuiii«!mus yuatuor

IZvnngeliorum c-lnon. Lo6c>x Künxallensls xe^eco-latlmis Intoi'Iiii. mm^ii!>m lxZIiuc collatus etc. ^Zwil-lingSbrnderS des berühmten l^oclex IZoeriierimuis

zu Dresden) Zürich , 1836. in groß Quart ist einErzeugnis) der Lithographie.

Lithotypograp hie.

Die neueste Erfindung auf dem Gebiete derBuchdruckerkunst, deren Resultate sich aber erst nochbewähren müssen, ist die Litholypographie oder derBuchdruck verbunden mit dem Steindruck, für diebeide Knnstzweige sich schwesterlich die Hand reichen.Einfachheit der Mittel der Erzeugung ist in unserenTagen Hanplbedingung alles Gedeihens der Industrie,weil dadurch Zeit und Kostenauswaud erspart, derAbsatz hingegen als natürliche Folge vermehrt wird.

Diese Idee hat den Brüdern Paul und AugustDupont vorgeschwebt, als sie den Entschluß faßten,beide Schwesterlichste, die zwar nahe verwandt nebeneinander, aber isolirt da gestanden haben, zu verei-nigen und aus das praktische Leben anzuwenden.Es war im Znni 1839, als sie mehrere Blätteralter Drucke, z. B. aus dem Wolf - uud KcrverscheuJsidoruS" von 1499, dem Theokrit von Venedig1489 u. a. vou dem Originale, ohne die geringsteBeschädigung desselben, aus Stein übergetragen

und von diesem alsdann wieder abgedruckt demComite der Pariser GewerbcanSstcllung mittelsteincö von Panl Dupont abgefaßten Memoire'sübergaben. Von nun au erhoben sich die mei-sten Lithographen der Hauptstadt, Delarue an derSpitze, und protestirtcn gegen den NamenNeueErfindung", indem diese Ehre dem Erfinder desSteindrucks, dem ehemaligen Schauspieler AloysSenneselder zn München gebühre, bezweifelten »ndverneinten sogar in besonderen Schriften die ange-priesenen Vortheile. An der Rnhe und würdige»Haltung der Brüder Dupout verloren jedoch alleAngriffe der Scheelsucht ihre Krast, nachdem zweider bedeutendsten Lithographen, Lemercicr unvLetronne, aus der Reihe der Gegner geschiedenwaren uud Erstere vor der Kunstjury erwiesenhatten, daß Paul Dupont einewiederbringendeTinte", <-nce<z I-S^vväuctlvs, wirklich erfunden habe,mittelst welcher die Clichc's oder Stereotypplattendurch die Bewahrung eines einzigen Abdrucks einesjeden beliebigen BlatteS sich ersetzen lassen, und daßAugust Dupont die Uebertragung alter Letterndruckeund Kupferstiche auf Steiu uud von diesem alsdannwieder einen Neudruck zu bewerkstelligen im Standesei. Beide haben zugleich das Verdienst, zuerst dieTypographie uud Lithographie nicht nur neben ein-ander, sondern mit einander vereint angewendetund dadurch zu deren gegenseitiger Vervollkomm-nung beigetragen zu haben, indem erstere dieSchrift und Zahlen, letztere aber die Linien, Ein-fassungen uud Ornamente deutlicher vor daS Augedes Lesers zu briugeu geeignet ist.

Bewährt sich dies Dnpont'sche Verfahren , wasdie Zeit lehren wird, so dürfte man der Lithotypo-graphie einen großen Einfluß auf den Druck vouTabellcnwerken, Ergänzung seltener aber schadhaftgewordener Büchenncunabeln und Druckdenlmäleraller Art mit Gewißheit voraussagen können.

Schon lange vor den Brüdern Dnpont hat manin Deutschland den Steindruck mit dem Letterndruck,mir nicht alS Uebcrtrag, in Verbindung gebrachtund ersteren besonders zn Randverzierungen ange-wendet, wie z. B. in dem schon 1318 zn BreSlauvon Varth herausgegebenen^sonnm<-nt»m ?av!s".In Frankreich liefert Chatcnct Vorzügliches.