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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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374 Iylotnr-ographic.

Fylotypographie.

Die Form- oder Holzschneidekunst ist, wie allbe-kannt, die Mutter der Buchdruckerkunst und blieb,nachdem der Tafeldruck durch diese verdrängt war,bis zu Ende des siebenzehnten Jahrhunderts ihreunzertrennliche Begleiterin. Anstatt der Schrift-taseln lieferten nun die Formschneider, dereu Haupt-sitze Bamberg, Nürnberg, Augöburg, Ulm, Straß-burg, Basel, Franksnrt, Cöln und Erfurt wareu,zur Verzierung der Bücher am Rande oder imTcrte alle Arten Holzschnitte, wodurch die Kunst,die sich früher nur anf einzelne Heiligenbilder undDarstellungen aus der Leidensgeschichte Jesu be-schrankte, einer raschen Ausbildung entgegenrcifte.Auch hierin gebührt den Teutschen der Nnhm,andern Stationen znm Vorbild gedient zu haben.

Wenn wir Schöffer's Initial- und Versalbuch-staben übergehen und die Bilder in Pfister'S SiebenFreuden Maria" u. s. w. als Metallschnitte anneh-men, so treten uns in dessenBoner's Fabeln" von1461 uud denVier Historien" von 1402 die erstenin Büchern mit beweglichen Typen vorkommendenHolzschnitte entgegen. Auf Pfister folgt GüntherZainer in Augsburg mit seinem Legendcnbnche von1471 und Johann Zainer in Ulm mit Boccaccio's Berühmten Weibern" von 1473, sowie Ther-Hocrncn in Cölu mit dem remporum"von 1474. Anton Sorg druckte die erste deutscheBibel mit Holzschnitten. DaS früheste auf dieseArt mchr verunzierte als gezierte Buch aus engli-schen Pressen ist William Carton's«»ms -»«l»k tI>L ei»««-«-" o. O. u. I. iu klein Folio(Heinecken giebt als solches irrthümlich dieKolclen^>oge»<I" an) nnd eine AnSgabe deS ,,8i>ei-ulum«Lyon 1478 ist Frankreichs erstes Holzschnittwerk,sowie der ^uiiecrem-lt» », Rom, Ulrich Han 1467das früheste nnd dieU^meiotvmsclna" von 1499das schönste von Italien .

Unter den deutschen Typographen haben sichdurch die Vereinigung der beiden Kuustzwcige Ko-burger iu Nürnberg und Grüningcr in Stmßbnrghervorgethan. DieSchedel'sche Chronik" desErsteren enthalt allein an 2000 Holzstöcke. Diegefeiertsten Künstler älterer Zeit im Formschneiden

. ClichirKunst.

waren Wohlgemnth uud Pleydcnwurff, aus derenSchule Albrecht Dürer , der größte deutsche Meisterdieses Faches, hervorging, Hicronymns Rösch, HansBurgkmair , Hans Schnuffelin, Guldenschaff, JostAmmon, Springinklee uud Virgilius Solis . DieThätigkeit und Verdienste dieser Manner um dieVerschönerung des Buchdruckes zu schildern, würdeein eigenes Werk erforderlich sein. Aus diesemGruude genüge hier die bloße Andeutung mit Hin-weis anf die Werke eines Hcineckcn, Mnrr, Papillon,Janssen, Seniler, Breitkops, Ottley, Heller, Ru-mohr nnd Jackson.

Unter Dürer's Nachfolgern gegen das Ende dessechszchntcn Jahrhunderts begann die Holzschneide-kunst zu sinken und gericth im achtzehnten in ganz-lichen Zerfall. Erst am Ende desselben fachten dieBriten John und Thomas Vewick in London denerlöschenden LebenSfunken wieder an. Ihre Albeitfand Beifall und gilt noch jetzt als Muster. DieZahl ihrer Schüler und Nachahmer wuchs von Tagzu Tag. Die Namen Anderson, Branston, Hole,Jackson, Cowon, LandclS, Williams, Resbit,Smith, Gray, White, Sears, Brown, Lee,Watts, Green, Parker, Whimpcr, Folkard, John-son, Barter werden fortleben in den Annalen derTvpographie wie in der Xylographie, wahrendUnger, Vater uud Sohn, Gnbitz, Höfel, Unzcl-mann, Vogel, Pfnorr und Nitschl von Harteubachin Dentschland alle Anerkennuug verdienen, undDngonre, Cailhis, Gigour, zumal der Letztere mitseinen genialen Schnitten znm Gilblas, in Frankreich eine neue Bahn brachen, auf welcher Porret, Cher-rier, Breviere, Lclloir, Lecoste, Best uud die beidenBriten Andrew und Thomson in Paris jetzt wahrhaftBewunderungswürdiges leisten.

Knight'S Ausgabe des Shakspcare ist iu England ,sowie Curmer's Paul und Virginie in Frankreich und Cotta'S Cid nebst Wigand'SNibelungen" inDentschland das Vorzüglichste, was die Xylotypo-graphie in neuester Zeit hervorgebracht hat.

ClichirKun st.

Den Gebrauch, Formschnitte durch den Guß zuvervielfältigen, ist fast ebenso alt, als die Kunst,