Polytypie.
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jene zu bewerkstelligen. Seit Peter Schöffer , derauch in diesen: Kunstzweige der Typographie dieBahn gebrochen, wurden die zur Verzierung derBücher bestimmten Vignetten u. dergl. von jeher inMetall abgeklatscht, sowol wegeu der nöthigen Ver-vielfältigung als auch weil daS Metall mehr gleich-förmig gute Abdrücke auShält als daS Holz. „ DieErfindung und völlige Ausbildung der Buchdnicker-kuust, sagt der geniale Nnmohr, dreht sich bekanntlich,wie das Rad um seiue Achse, um deu Kunstvortheildes Matrizengewinnens durch Abforinung oder Klat-schung. Die auf solchem Wege gewonnenen Güssewaren schon im sechSzchnten Jahrhundert, wie nochheutigen Tages ein Gegenstand des Tausches oderHandels. Wie spater Paris und neuerlichst Berlin ,so dürfte Basel um 1520 der Mittelpunkt eines solchenBetriebes gewesen sein." Wem Ware cS wol ent-gangen, daß mehr als andere deutsche Drucke dieBaseler zu Holbcin's Zeit, dessen künstlerische Thä-tigkeit im Holzschneidcn Nnmohr nachgewiesen hat,mit Titcleinfassilngen, Vignetten und Initialen ver-sehen waren.
Am frühesten hat der Formschnitt in den Nie-derlanden wahre, das heifit, vcrstandvoll sehendeund geistig erregte Künstler auf sich gezogen. Dieältesten Werke mit Klatschgüssen sind i das „ K»<Ii-msntum novlcioi'mn", 1>iidecK 1475; ,,De Bibliemit vlitigher achtingc", Lübeck1494; „Barbarossa",Straßburg 1515; „Die Cronycke vcm Hollandt",Leyden 1517; „Passionacl", Lübeck 1507; „HngSchappler", Strafiburg 1517; „Der Ritter vonSachsenheim", Wormbs 1538; der „Thucydides "von Stayner 1538 und Kobergers Ausgabe der„Concordanzbibel" von Sacon. In neuester Zeitsind die Abklatschungen (Cliche's) besonders in
Frankreich und Großbritanien häufig angewendet,aber auch in Deutschland bereits zu großer Voll-kommenheit gediehen. Sollen Holzschnitte in Metallcopirt werden, so geschiehet dieses bei den kleinerendurch Abklatschen, bei den grösseren aber durch dasAbgießen nach der neueren Stcreotypmethode. Unterden Engländern hat Applegath durch die von ihmcrfuudeue Clichirmaschine, welche iu „ MeyerSJournal 1835. S. 72" abgebildet und beschriebenist, Epoche gemacht, in Deutschland aber Psnorr inDarmstadt , der sich durch verschiedene Erfindungenund Verbcsserungen nm die Typographie großeVerdienste erworben, dieselbe wesentlich verbessert.Eine Schilderung nnd Zeichnung davon giebt »r. LeoBergmann im nämlichen Journale 1838. S. 1-9,54-56 nach der in der BrockhauS'schcn Schriftgie-ßerei zu Weimar befiudlichcn Maschine, in welche daSLctterngut durch ein Fallwerk in die Form gepreßtwird. Das Verfahren bei kleineren Gegenständenhaben fast alle neueren Handbücher der Typographie,unter Anderen Haspcr S. 223-228 und Meyer'sJournal 1335. S. 69-73 u. 102 ff. beschrieben.
Polytl)pic.
Nahe mit der Clichirmethode verwandt uud ohneZweifel von derselben erzeugt, ist der Polytypenguß.Unter der Benennung Polytypen verstehet man jeneunendlich mannigfachen Zierbuchstabcn, Stanzen,Vignetten u. s. w., die seit ungefähr 20-30 Jahrenso häufig zum Schmucke der Bücher Amvendnngerhielten, in unseren Tagen aber mehr noch bei Be-kanntmachungen in Zeitblättcrn, um dem Leser beimersten Blick schon den Gegenstand zu bezeichnen, ihrepassende Stelle finden.