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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Anwendung der Typographie

auf besondere Zweige

der Künste und Wissenschaften.

Notendruck.

ereils in den frühestenIncnnabcln kommen Laut-oder Tonzeichen vor, umdie Mönche beim Mesz-lind Chorgesange zu unter-stützen, doch waren sieentweder ganz oder zmn Theil ge-schrieben. Daö älteste Bnch mit musikalischen Note»ist unbezweifelt derFust- und Schöffer'sche Psaltervon 145,7, dieser Prototyp aller Zweige der Buch-druckerkuust, und nach demselben dasFilnimKlusicä plaiui" des Michael KienSbeck, -Augsburg bei Johann Froschowcr, 15V0. Allein es sind hierdie Tonzeichen nicht mittelst beweglicher Typen, son-dern im ersten Weile mit der Feder, im zweiten mitbesonders dazu geschnittenen und in den Lettenüerteingesetzten Holzstöcke» ausgeführt. Von den Holz-tafel» ging man zuerst in Italien zum Stiche inMctallplatten über. Hier sollen auch schon zuAnfange des sechszehnten Jahrhunderts typenahnlichgegossene Musilnoten in Anwendung gekommen sein.Als Erfinder der Letzteren wird von den ItalienernOttavio Petrucci genannt. Die Franzosen hingegenschreibe» diese Ehre ihrem LandSmanne Paul Hautin(um 1525) zu. Die meisten Gründe sprechen jedochfür den berühmten Sehristscl'ucidcr und Schrift-gießer Jacques dc Sauleque (geb. 1558, gest. 1648),von dem man weiß, daß er zuerst die Musiktypcnin Frankreich bergestellt und bekannt gemacht hat.

Obwol noch sehr roh und mangelhaft, waren siedoch über ein Jahrhundert im Gebrauch, ohnedaß irgend Jemand, mit Ausnahme Johann JakobLotter'S in Augsburg , ihre Ausbildung zn beachtenschien, als der verdienstvolle Buchhändler und Buch-drucker I. G. I. Breitkopf zu Leipzig im MonateMarz 1754 ans den Gedanken kam, musikalischeNoten zu gießen, was ihm erst nach zwei verschie-denen Versuchen so gut gelang, daß er der Prin-zessin von Sachsen ein damit gedrucktes Lied imFebruar 1755 überreichen konnte und von nun an,wenn nicht als der Erfinder, doch als der Wieder-hersteller und Verbessere»- dieses Kunstzweigcs be-trachtet werde» kann.

Breitkopf'S neue Charaktere wußten sich dieBrüder Enschcde, Schriftgicßer in Hartem, zu ver-schaffen, ahmten dieselben getreu nach und kündigtennichts desto weniger in Zeitschriften an, daß sie ebeneine Musiktype geschnitten hatten und hofften, manwerde der Stadt Hartem die Ehre dieser Erfindungnicht streitig machen wollen. Zwar geriethen hier-über Brcitkopf, Enschcde und Bozard, welcher vonHartem nach Brüssel gezogen war, in einen Feder-krieg, den spater noch Gando und Fouruier fort-setzte». Man vergleiche des LetzterenNiumel tvpo-A>-!>^I>!s>>is 1, 52 >?t II, ^j>."

Breitkovs's Methode hatte unlengtar mancheMangel, doch war cr der Erste, welcher ein voll-standiges, zum Drucke jeder Gattung von Musik