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EKtypogruphie.
„Outllnes ok lustor/ -inclent ll»ä modern" in drei
Banden und Howe's „vensral atlss" namhaftmachen.
Die neuesten glücklichen Versuche in dieser Kunsthaben vr. W. Lachmann, Direktor des Blinden -Justitutes zu Braunschwcig, und der östreichischeHauptmann Freisanff von Neudegg in Wien ge-macht. Ersterer hat nicht nur die Buchstabenschrift,sondern auch eine von ihm erfundene Zeichenschriftdurch Zusammensetzung von Sternen, Punkten,Strichen und Halbkreisen für Nichtschcnde einge-führt und in Gußtypen durch die Presse lesbargemacht. Letzterer aber hat sowol Methode alsgewonnene Resultate in seiner „Beschreibung derEktypographie für Blinde, nebst ihrer Anwendungfür Sehende, oder die Kunst, erhabene Abdrücke vongcwöhnlicherwcise gestochenen Metall- und Stein-platten, von Holzstichcn und Buchdruckcrlcttern undselbst von Handschriften und Handzeichnungen znmachen und sie beliebig zn vervielfältigen." Wien ,1837. in 4. der literarischen Welt mitgetheilt. Erhatte sich znr Aufgabe gestellt, erhabene Umrisse beiSchreib-, Zeichnen - und Druckgegcnstauden hervor-bringen zu können, ohne dazu besondere Kunst-fertigkeit von Seite des Erzeugers in Anspruch zunehmen, mit beständiger Rücksicht auf Einfachheit,Schnelligkeit der Erzeugung uud vor Allem Wohk-fcilheit der Materialien. Ob seine Methode schonin Blindcninstitntcn Eingang gefunden, ist uns zubestimmen unmöglich; in wiefern sie ausführbarund von Nutzen sei, muß die Folgezeit lehren. Aufjeden Fall verdient sie die Beachtung aller Kuust-gcnossen uud Menschenfreunde.
Zu ahnlichen Zwecken ist auch schon im Jahre1812 der lithographische Stein von Duplat in Paris und zehn Jahre später von Eberhard in Darmstadt ,sowie 1827 von Finnin Didot und Motte in Paris angewendet worden, doch kann das Verfahren, alsder eigentlichen Bnchdruckertunst fremd und nur derWirkung nach analog, hier ebenso wenig in Betrachtkommen, als die um 1822 von dem Graveur Carre
in Toul erfundene und 1834 durch Dembour in Metz verbesserte Metall-Ektypographie oder die Kunsterhaben ans Kupfer zu atzeu, so, daß der hervor-gebrachte Gegenstand entweder gleich, oder, nachdemer stereotypirt worden, durch die Buchdruckerpressevervielfältigt werden kann. Des Letzteren Schriftüber diese, wie er sie nennt, neue Erfindung, hatHeinrich Meyer (Braunschwcig, 1835. in 4. mit8 Vignetten) ins Deutsche übersetzt. Das neben-stehende Prodnct, ausgeführt in dem Atelier deswackern Verlegers, versinnlicht das Verfahren dermehrgedachten Erfindung.
Vieles ließe sich noch über mehrere nicht unwe-sentliche Verbesserungen der Typographie in ihrermannigfachen Verzweigung hier cmführcn, wie z.B.über den von G. Souquet in Paris erfundenen„ lustlüc-ltene", wovon er im Jahre 1824 zuBoulogne eine besondere kleine Schrift hcransgab;über die Seiden-, Linnen - uud VaumwvllendrnckeSaussay'S, welche er vorzugsweise für Zeitungenuud Journale angewendet wissen wollte und 1837 zudiesem Behufe einige Proben an das „Institut <lsFrancs" einlieferte; über die Chalkorylographie vonSiegländcr in Wien ; über die Geomontagraphic,Erfindung von Vancrkeller K Comp. in Paris , wo-durch vielfarbige Relief-Karten mittelst Stiches,der Lithographie und Buchdruckerpresse hervorge-bracht werden sollen (die Karte von Paris und derUmgegend faßt 13 Farben in sich); allein theilsliegen dicfe Erfindnngen dem eigentlichen Wesen derTypographie zu fern, theils gebricht es in dieserSacularschrift für Gegenstände an Raum, welcheihrer Natur nach mehr in ein „Handbuch der Buch-druckerkuust" gehören, theils sind manche der Erfin-dungen noch zu neu (wie die Bauerkcllcr'sche 1840)uud müssen noch vorerst durch Zeit uud Erfahrungerprobt werden, theils aber auch bekennt der Ver-fasser seine Laienschaft im Gebiete typographischerTechnik und behält sich vor, das Fehlerhafte desGesagten in einer allsallsigen zweiten Auflage znverbessern und das Uebergangene nachzuholen.