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Gegen den Währungs-Umsturz / von Karl Helfferich. Mit einem Vorw. von L. Bamberger
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sondern vertraute sie völlig der Leitung von Delbrück , von Camp-hausen und Michaelis an. Unbekümmert um die seit dem Jahre1874 hauptsächlich von Frankreich ausgehende bimetallistischeAgitation wurde die Abstolsung des Silbers bis 1879 ruhig, nurvielleicht etwas zu langsam und bedächtig durchgeführt. Als imJahre 1878 die Vereinigten Staaten von Nordamerika an die euro-päischen Staaten Einladungen zu einer internationalen Münzkon-ferenz ergehen liefsen, zum Zwecke von Vereinbarungen über einbimetallistisches Geldsystem, lehnte Deutschland es ab, die Kon-ferenz zu beschicken. Man hatte keine Lust, die ihrem Abschlufsnahe Goldwährung zu Gunsten irgend eines anderen Systemespreiszugeben.

Aber ehe die Einziehung der noch allein im Umlauf be-findlichen Einthalerstücke beendigt war, griff der Reichskanzlerselbst in den Gang der Dinge ein. Der Silberpreis hatte seitMitte der sechziger Jahre und dann besonders stark seit Anfang1872 eine sinkende Tendenz, ziemlich stetig und gleichmäfsig bisetwa Ende 1875. Anfang 1876 begann ein rapider Preisfall, dermit der bekannten Panik im Juli dieses Jahres bei einem Lon-doner Silberpreis von 4674 d. pro oz. st. seinen Tiefpunkt erreichte.Das Jahr 1877 brachte eine kolossale Silberausfuhr nach Indien,und diese hob den Preis des Silbers bis auf 58 V 4 d. im Fe-bruar. Darauf folgte wieder ein allmähliches Herabgleiten bisauf etwa 49 d. im Frühjahr 1879. Da zu diesen Preisen dieSilberverkäufe der deutschen Regierung bedeutende Verluste er-geben mufsten, ging man immer langsamer zu Werke, und imMai 1879 wurden auf die direkte Initiative des Fürsten Bismarckdie Silberverkäufe eingestellt. Der Reichskanzler erklärte, für diesich aus den Silberverkäufen ergebenden Verluste die Verant-wortung nicht länger übernehmen zu können, und der Reichs-bankpräsident von Dechend sagte damals zur Vertheidigung derMafsregel im Reichstag: «Dem Lande wie der ganzen Weltwürde ein wesentlicher Dienst geleistet, wenn der Markt von derAngst vor dem deutschen Silber dauernd befreit und überhauptkein Silber weiter verkauft wird. Das Ausland wird uns dafürsegnen, wenn wir den Alp, der nun schon länger als sechs Jahreauf allen Verhältnissen lastet, bleibend von ihm nehmen.»

Das war das erste Mal, dafs die deutsche Münzpolitik umden Segen des Auslandes sich bemühte. Das Ergebnifs war,