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Jahre 1885 eingenommen hatte. Bei der Währungsdebatte hattesie jede Stellungnahme vermieden, und in unterrichteten Kreisenglaubte man, Fürst Bismarck sei zu einer Schwenkung in derMünzpolitik bereit. Durch nichts wird eine Agitation mehr be-fruchtet, als durch Schwäche und Unentschlossenheit, und solagen dem Reichstag im Jahre 1886 nicht weniger als 1161 Pe-titionen, darunter über 800 von landwirthschaftlichen Vereinenvor, alle genau im gleichen Wortlaut:
«Ein hoher Reichstag wolle in Anbetracht, dafs die auf demGebiete der Landwirthschaft und Industrie bestehende Krisis sichdurch ein' weiteres Sinken der Preise seit Jahresfrist verschlimmerthat, in Anbetracht, dafs der Hauptgrund für das Sinken derPreise in der Silberentwerthung und der dadurch herbeigeführtenGoldvertheuerung zu suchen ist, auf das Zustandekommen derinternationalen vertragsmäfsigen Doppelwährung hinwirken.»
Damals, Ende- Januar 1886 war es, dafs Finanzministcrvon Scholz im preufs. Abgeordnetenhause ganz und gar uner-wartet aufstand und eine flammende Verurteilung der bimetallisti-schen Agitation auf dem Lande aussprach, dafs er in der ent-schiedensten Weise eine Erklärung zu Gunsten der Goldwährungabgab und die Unterzeichnung eines bimetallistischen Vertragsdurch einen preufsischen Minister einen Verrath am Vaterlandenannte.
Damit war Klarheit in der Situation geschaffen, und dieseübte sofort eine stark beruhigende Wirkung. Bis auf den heutigenTag war die bimetallistische Agitation nicht mehr zu einem der-artigen Höhepunkt gekommen.
Die Politik der Regierung wurde von nun an nicht mehrfalsch aufgefafst, und sie wurde konsequent durchgeführt. Woman von dem Thalersilber in annehmbarer Weise etwas ver-äufsern konnte, geschah es; so wurde noch im Jahre 1886 einziemlich bedeutendes Quantum an die ägyptische Regierung ver-kauft, wurden hier und da kleinere Beträge den Münzstätten über-wiesen, und schlicfslich wurde unter Caprivi ein Theil der öster-reichischen Vereinsthaler, 26 Millionen Mark, nach Oesterreich abgeführt und ein weiterer Theil zur Prägung von Reichssilber-münzen im Betrage von 22 Millionen Mark bestimmt.
Dieses Beharren in denselben Bahnen war durch die Ent-