24
Verschlechterung mitmachen, hier blieben die Konkurrenzbedin-gungen genau dieselben.
\\ ürden wir also durch eine Münzverschlechterung, denn nureine solche kann überhaupt etwas erreichen, mehr als eine nurnominelle Erhöhung der Getreidepreise erzielen, würden wir derdeutschen Landwirthschaft eine erheblich gestärkte Konkurrenz-fähigkeit gegen das Ausland geben? —• Ich glaube nein!
Der Grund dieser meiner bestimmten Ueberzeugung ist: DieUrsachen der landwirthscliaftlichen Krisis liegen aller-mindestens zum erdrückend gröfsten Theil auf anderenGebieten als auf dem der Währungsverhältnisse. Ichstehe mit dieser Ansicht nicht allein; sie wird vielmehr von sehrvielen, und ich glaube ruhig sagen zu können, den ersten wissen-schaftlichen Kennern unserer landwirthscliaftlichen Verhältnisseverfochten. Ich begnüge mich, von der Goltz zu nennen, derin seinen «Agrarischen Aufgaben der Gegenwart» klipp und klarausspricht, dafs die Goldwährung «keinen oder doch nureinen verschwindend geringen Antheil» an dem Sinkender Getreidepreise hat, obwohl er selbst für eine internationale Ver-einbarung einer festen Relation zwischen Gold und Silber eintritt.
Die wahren Ursachen der Krisis sind:
Die europäische Landwirthschaft hat sich in nothwendigerEntwickelung an höhere Produktionskosten für ihre Erzeug-nisse gewöhnt, theils an wirkliche, theils an eingebildete.Sie hat mit immer steigenden Produktionskosten, durch immerintensivere Bewirtschaftung des Bodens das gröfser und gröfserwerdende notwendige Quantum an Nahrungsmitteln produzirtund in noch etwas höherem Grade steigende Preise für ihre Pro-dukte erzielt. Das ist eine allgemein zugegebene Thatsache, undihre unmittelbare Folge war: ein stetiges Anwachsen derReinerträge. Ueber die Wirkung dieses Anwachsens schreibtv. d. Goltz in dem erwähnten Werk (S. 44):
«In der ganzen Periode von etwa [830 bis 1880 haben sichdie Gutsbesitzer wie die Pächter an die durch die bisherige Er-fahrung hervorgerufene Meinung gewöhnt, dafs die Reinerträgefortdauernd steigen mtifsten. Hiernach wurden die Guts-preise von Käufern wie Verkäufern, von Erben wie Erblassernbemessen .... Infolgedessen sind die für Güter gezahlten Preiseschon seit einem Jahrzehnt nicht nur dem zukünftig zu erwartenden,