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Die Geschäftswelt angesichts der Geschäftslage in Deutschland : ein Vortrag gehalten ... zu Mainz ... 1875 / von Dr. Ludwig Bamberger, Reichstagsabgeordneter
Entstehung
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Die Kirche verbot zwar das Zinsgeschäft, allein amWechselgeschäft, das nur dazu diente, das Zinsgeschäft zuumgehen, hat sie sich mit am ersten betheiligt. Die erstenWechsel, von denen die Geschichte weiß, kauften die päpst-lichen Legate, um die Gebühren, die die Pfründner nachRom zu bezahlen hatten, an den Papst zu befördern.

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So ist's auch mit den Bankgeschäften. Die erste unsbekannte Gesellschaft war die s. g. Societas sacri officii,die Gesellschaft der heiligen Aemter. Der Papst hatteeine Anzahl Aemter, die er verkaufte. Wie in Frank-reich bis auf unsere Zeiten gewisse Aemter zu tausendenverkauft wurden, um der Regierung Einnahmen zu_ver=schaffen, so hat auch der Papst in seinem nie gänzlich zubefriedigendem Bedürfnisse nach Einnahmen eine Anzahl vonStellen immer verkauft. Um die Stellen gut verkaufen zukönnen, konnte man sich nicht an einzelne Individuen wenden,die große Summen nicht aufbringen konnten; es bildetensich Gesellschaften, die für den einzelnen Mann gewisseStellen erkauften, gewisse Verwaltungsstellen am päpſt-lichen Hofe.b alobos c

Dies erinnert lebhaft an die Agents de change in Paris,wo sich oft 16 Leute zusammengethan, um die Stelle einesBörsenmäklers zu kaufen und mit Nußen zu betreiben.Geradeso war es im 15. Jahrhundert mit der Aemterver-gebung durch die päpstliche Curie.s

Daraus bildete sich das erste Schema für die Gesell-schaft, was denn auf die sogenannte Commenda" führte,aus der später die Commandita" entstand, bei der manGeld einlegte und die Juristen des kanonischen Rechtes sagten,wenn man sich an einer Gesellschaft betheiligt, so sei diesnicht so schlimm, als wenn man Zinsen nähme. Die.heutige Commandit- Gesellschaft hat darin ihren Ursprung

Das praktische Leben zwang noch zu einer Mengesolcher Sophistereien.

Da ein Kulturleben nicht möglich war, ohne Eigen-