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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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DAS GESCHLECHT GÄNSFLEISCH. VII. VERMUTUNGEN ÜBER ABSTAMMUNG.

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etwa um fich von feinen Vettern mit den Kreuzen bejfer zu unterfcheiden. In den Siegelndiefer Linie findet fich jedoch keine Spur von einem folchen Vorgang.

Als einzigeWappengenoflen der Familie Gänsfleifch find die zurWolkenburg in Mainz be-kannt. Die Quelle dafür allein das Wappenbuch des Ort zum Jungen aus dem 15. Jahr-hundert. Im Verzeichniß der 1332 ausgezogenen jungen Gefchlechter führt er Henckinzu Wolkenburg, getrennt von den Gebrüdern Gänsfleifch, auf, und gibt ihm das Gäns-fleißh-Wappen, natürlich ohne Farbenangabe (Darmßädter Archiv, Adel, zum Jungen).Ein diefe Angabe betätigendes Siegel des damals längt erlofchenen Gefchlechts zurWolkenburg it bis jetjt nicht bekannt geworden.

Wie aus den älteten abgebildeten Siegeln und vielen andern erhellt, war die Kuntdes Stempeljchneidens in Mainz frühe fchon zu großer Blüthe gelangt. Audi die Heraldikder Gefchlechter-Familien war, wie fch aus den vorkommenden Wappenvereinigungen,den Beizeichen verfchiedenßer Art, Aenderungen des Helmfchmuckes, Farbenwechfeletc. ergibt, fehr entwickelt.

Für die Befchreibung der auf der Tafel abgebildeten Siegel wird auf die Belege fürihre Träger verwiefen. Sehr fngulär ift die Vererbung des Siegelßempels des erßenAhnherrn auf einen Sohn, Enkel und Urenkel.

Die Tafel enthält folgende Siegel:

1. Friele Rafit zum Gänfefleifch, 1359 (11); ftark vergrößert.

2. Friele z. G. gen. zum Efelweck, zur Laden, 1366 (112); ftark vergrößert.

3. Friele zur Laden, der Vater des Erfinders, 1407 (125).

4. Johann Gutenberg , 1442 (134); ftark vergrößert.

5. Hans v. Sorgenloch gen. Gänsfleifch der Alte, 1468 (II18).

VII. Vermutungen über die Der einzige fchere Anhaltspunkt dafür der Name

des Stammvaters Friele (II), der in der UmfhriftAbstammung der bamilie. feines Siegels enthalten ift (Siegeltafel N. 1). Frilogenant Rafit, Bürger von Mainz , heißt darin der Mann, der im Text der Urkunden ßetsals Frile zum Gänfefleijch erjcheint. Das berechtigt zu dem Schluß, daß man den älterenAnnamen feiner Vorfahren durch die Siegelumfchrift kennen lernt, der, wie häufig, durchden des neuen Wohnftjes erft kürzlich in der gewöhnlichen Sprechweife des Volkes ver-drängt worden war. Ravit bedeutet Streitroß, arabifches Roß. Es gab auch einen MainzerHof diefes Namens, der von 1305 bis 1525 nicht feiten vorkommt (Zinsbuch von St. Agnesvon 1525 ff. im Darmftädter Archiv, f. 16). Er lag beim Dominikanerkloßer und war einEckhaus; alfo vielleicht an Stelle des fpäteren Keffelßadter Hofs, Fußßraße N. 11.

Im Jahre 1525 wurde er von Conrad Stockhufen bewohnt, 1483 gehörte er Fürßen-bergs Schweßer, 1473 der Selge, der Witwe des Ort (Gelthaus zu) Landeck (Copialbuchv. St. Agnes, N. 61). Im Jahre 1355 gab es einen Rupelo genant zum Ravid, deffenEhefrau Gudela hieß (Baur , Heff. Urk. III, N. 1272); 1305 kommt eine Begine Margaretezum Ravide vor (Darmßädter Archiv, Urk. Mainz, Stadt, N. 158a. Nach Auszug vonA. Wyß). Ob diefe Perfonen irgend welchen Zufammenhang mit Friele genant Rafithatten, mag dahin geßellt bleiben. Dagegen kann fich das älteße Vorkommen des Namens 1250, November 3. Fridericus Rauid, Mainzer Bürger recht gut auf einen nahenAscendenten Frilos beziehen (Baur , Heff. Urk. I, N. 33 und Roffel, Eberbacher Urkunden-

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