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und ebenfowenig in den fpäteren Verzeichnißen der Auslände, fo iß anzunehmen, daßfie that(ächlich entrichtet wurden. Vielleicht gejchah es erft nachträglich in Folge vonMaßregeln, die durch das Kapitel getroffen wurden. Ob der Bürge Gutenbergs , MartinBrechter in Straßburg , zahlen mußte oder der Hauptfchuldner felbß, wißen wir nicht.
Sicher ift hingegen, daß Gutenberg von Martini 1458 an mit den Zahlungen im Rück-ftand blieb. Die Jahresrechnungen und Receßbücher des Thomasßifts verzeichnenfortan regelmäßig die ausgehenden Zinfen von jährlich 4 Pfund; bei den Namen Guten-berg und Brechter ßeht nun immer der Zufatj: „tenentur 4 libras“ d. h. fie find rückßändigmit der Summe von 4 Pfund. Auch die beiden Mahnbriefe von Seiten des Thomas-Kapitels, die Gutenberg nach meiner Ermittelunginnerhalb des Rechnungsjahres 1459—60,alfo vor dem 24. Juni 1460, zugeftellt wurden, hatten keinen Erfolg. Dies kann (ich nuraus der wirklichen Nothlage erklären, in welcher (ich Gutenberg damals befand und indie ihn unzweifelhaft der unglückliche Ausgang feines Prozeßes mit Fuß verfemt hatte(vgl. oben S. 210f). Bisher war Gutenberg ßets feinen Verpflichtungen gegen das Thomas-Stift pünktlich nachgekommen, nun aber konnte er die jährlichen Zinfen von 4 PfundPfennige (nach unferem Geldwerth ungefähr 240 Mark) nicht mehr aufbringen. Was ihmaber von Straßburg aus drohte, wußte er aus dem Wortlaut feiner Schuldverjchreibunggewiß nur zu gut (vgl. Nr. XIII).
Nr. XXIII Schreiben des St Thomas-Stifts zu Strassburg an das kaiserliche Hof-gericht zu Rottweil betreffend die Klage gegen Johann Gutenberg . 10. April 1461.[Tafel 20].
(Copia).
Dem wolgebornen herren Grauff Johannjfen von Sultj, des heiligen Römifchen || richshofrichter zu Rotwil, vnferm gnedigen herren, vnd den ftrengen, || fürfichtigen, erfammenvnd wyfen, den vrteilfprechern deßelben hoffge- || richts, die dann vrteil vnd rechtdafelbs fprechent, vnfern guten fründen, || embieten wir, dechan vnd cappittel des ßifftszu fant Thoman || zu Straßburg , vnfer willige dienft zuvor. Als wir Johann || Gutte m-berg für üch zu recht geladen haben vmb geuallen vnd || verfeßen zinß mitfampt demkoften, ouch vmb verfäßung vnfers || vnderphands, fo er vns noch befag vnfers houptbriefspflichtig vnd || vffzerichten uerbunden ift, vnd aber wir zu difen zijten || vnfer bottfchaftvff das gericht zu Rotwil ßcher nit gefchicken || mögen, das wir ouch reden vnd by vnferwürdikeit vnd rechter || warheit fprechen vnd behalten: vnd darumb fo geben || wirvnfern vollen gewalt vnd gantj macht dem erfammen || herrn Michel Rofemberg, procuratordes vorgenanten hoffgericht}, || den vorgenanten J ohann Gutemberg an vnfer ftattvff dem || hofe zu Rottwil zu beclagen vnd vns vnfer clag wider in zu triben || zu gewynvnd ze uerluß vnd zu allem rechten, biß es an den eyd gät. ||
Vnd ob der genant 295 herr Michel von vns me gewalts zu habend || notdurflftig wereoder ßn wurde, nach gewonheit, recht vnd herkomen, || des benanten hoffgerichtj, denfelbengewalt allen wir im ouch hie- || mitte geben vnd beuelhen, in mäß vnd als ob der vonwort zu || wort herinnbeftympt vnd begriffen were, alles vngeuerlich. || Vnd des zuvrkundehaben wir vnfers cappittels fecrete || ingeßgel tun hencken an difen brief, der geben ißan fritag nach || dem heiligen Oftertag, als man zalt nach der gebürt Crißi || viertzehen-hundert fechßig vnd ein jare. ||