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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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K. SCHORBACH

als Stadtkanzler ein Jahrgehalt von 208 Goldgulden. Er [cheint ein leidenjchaftlicherPolitiker, aber ein luftiger Gefelle gewefen zu fein. In letzterer Hinficht kennen wir ihnals den Mitßifter einer im Jahre 1443 entßandenen gaßronomifchen Gefellfchaft, einerfogenannten Bruderfchaftvon leckerechtigten und vireßigen knaben, die fcherzhaft alsder felpweldie orden bezeichnet wurde. In diefem Verein führte Humery den Spitz-namenZimernkrofe, worüber der in der Mainzer Chronik überlieferteSpruch dieferGefellfchaft in übermüthigen Verfen berichtet. 338 Uebrigens gehörte Humery auch dergeißlichen Stephansbruderfchaft zu Mainz als Mitglied an, nach deren Necrolog er umdas Jahr 1472 geßorben fein muß.

W eitere fich nun aufdrängende Fragen, welcher Art die Beziehungen zwifchen Guten-berg und Humery waren, wann die Verbindung zwifchen ihnen zu Stande kam undwelche Werke mit den Humery gehörenden Typen gedruckt wurden, laffen fich nur ver-muthungsweife beantworten.

Als Grundlage für die bisher faft allgemein angenommene Combination diente, daurkundliche Nachrichten fehlen, eine Unterfuchung der erhaltenen Druckdenkmaleaus der zweiten Schaffensperiode Gutenbergs in Mainz. Auszugehen war hierbei natur-gemäß von dem einzigen d a t i r t e n Druck, dem berühmten C a th o 1 i c o n des JohannesBaibus de Janua vom Jahre 1460, als deffen Urheber wohl jetzt allgemein Gutenberg gilt. 339Der Inhalt der fchönen, vom Drucker hinzugefügten Schlußfchrift:

Altissimi presidio . . . hic Uber egregius Catholicon, dominice incarnacionis annisMcccclx alma in urbe Maguntina nacionis inclite germanice, quam dei clemencia tarnalto ingenij lumine donoque gratuito ceteris terrarum nacionibus preferre illustrarequedignatus est, non calami, stili aut penne suffragio, sed mira patronarum formarumqueconcordia, proporcione et modulo impressus atque confectus est . . . 34 °deutet pfychologifch auf Gutenberg, der hier zuerft die neue Technik des Schriftguffesund Drückens genauer befchrieb und zugleich eine Antwort gab auf die abfichtlich zwei-deutigen Schlußfchriften der Firma Fuft-Schöfifer im Pfalterium vom Jahre 1457 und imDurandus von 1459. 341

Die Erzeugniffe von Gutenbergs neuer Druckerwerkßatt unterfcheiden fich fcharf vondenen der erßen Mainzer Offizin durch charakterißifche Merkmale. Gegenüber den großenBibeltypen der letzteren erfcheint jetzt eine neue ganz kleine Letternart, die kleinßebis dahin gebrauchte Buchfchrift, durch welche eine große Ausnutzung des Schriftfeldes(66 Zeilen auf der Spalte) und eine erhebliche Verbilligung des Bücherpreifes ermöglichtward. 342 Bei diefer Neuerung war Gutenberg von feinem früheren Verfuche einer Nach-bildung der Kanzleifchrift ausgegangen, einem Gedanken, auf welchen ihn zuerft derDruck der Ablaßbriefe von 1454/55 geführt hatte. Die verwendete Schrift zeigt fernereinen eigenartigen Ductus von runder Form, ganz abweichend von der Buchßabenzeich-nung von der Hand SchöfFers, des alten gewiegten Kalligraphen . Auffallend fodannauch die Einfachheit des Satzes, die Erfparniß einiger Abbreviaturen (z. B. füret unddie Endfilbe -us), das Fehlen des Rothdrucks und einer zweiten Typenart für Auszeich-nungsfchrift. 343 Alle diefe Momente erweifen mit völliger Sicherheit, daß das Catholiconnicht aus der Fuß-Schöfferfchen Preffe hervorgegangen, folglich allein Gutenberg zugewiefen werden kann.