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Um das Catholicon gruppirtßch noch eine geringe Anzahl kleinerer Drudewerke,die mit den gleichen Lettern, aber ohne Angabe des Ortes [der Firma] und des Jahres ge-druckt find und jedenfalls derfelben Preffe entftammen. Von diefen Drucken ging gewißmindeßens einer zur Uebung der neuen Werkftatt dem Catholicon voraus. Vermuthlichwar es des Matthäus de Cracovia „Tractatus rationis et conscientiae“ (22 Bl. zu 30 Lin.in 4°; Hain 5803), ein Schriftchen, das anfeheinend mit Hilfe Heinr. Kefers, den wir ausdem Prozeß vom Jahre 1455 als Gehilfen Gutenbergs kennen, herauskam. 344 Ferner finddie zwei Ausgaben von Thomas Aquinas „Summa de articulis fidei“ [Ed. 1=13 Bll. zu 34 Lin.(Hain 1425); Ed.II = 12 Bll. zu 36 Lin.4°] hier zu nennen. 345 Sicher nach dem Catholiconfällt der Ablaßbrief für das Stift Neuhaufen bei Worms vom Jahre 1461. 346 Die Verlags-richtung der genannten Werke zeigt Gutenbergs Beftreben, den literarifdien Bedarf derGeiftlichkeit zu befriedigen, für welche befonders das vielbenutjte Catholicon, das eineGrammatik und eine alphabeti fch angeordnete Encyclopädie enthält, und diezurVerlefungauf den Provinzialfynoden beftimmte Schrift des Thomas von Aquino willkommenfein mußte.
Von diefen Mainzer Preßerzeugniffen in der Catholicontype heben fich deutlichzwei Druckwerke ab, welche die gleichen Lettern, jedoch mit einigen Bereicherungen desSchriftßhat^es, aufweifen undficher aus der El tvil 1 er Offizin der Brüder Bechtermünzehervorgingen. Es find zwei Ausgaben des „Vocabularius ex quo,“ eines Excerptes ausdem zweiten Theile des Catholicon. Der erfte Druck ift am 4. November 1467 zu Altavillaerßhienen, begonnen von Heinrich Bechtermünze und nach deflen Tode von feinemBruder Nicolaus Bechtermünze in Gemeinfchaft mit Wigand Spyeß de Orthenberg be-endet. Die zweite Ausgabe vom 5. Juni 1469 druckte Nicolaus Bechtermünze allein. 347
Vom Jahre 1472 ab, alfo gleichzeitig mit dem Tode Humerys, was jedenfalls beachtens-werthift, verfchwindet die Catholicontype, und die Eltviller Druckerei verwendet andereLettern, einen Nachguß nach der Texttype der Gutenbergifchen 31zeiligen Ablaßbriefevon 1454/55. Das letzte Druckwerk endlich aus der Preffe des Nicolaus Bechtermünze,der Vocabularius ex quo vom Jahre 1477, ift mit einer Schriftart gedruckt, welche PeterDrach in Speyer zugehört, und daher wahrfcheinlich von Lenterem im Aufträge des Elt-viller Verlags ausgeführt. 348
Daß die Eltviller Offizin thatfächlich eine Fortfetjung der Mainzer anonymen Druckereides Catholicon war, hat noch Niemand geleugnet. Als Tochteroffizin erweiß fleh die-felbe nicht nur durch den gleichen Schriftßhatj und die ähnliche Druckerpraxis, fondernauch durch die Nachahmung der Schlußfchrift fowie durch diefelbe Richtung des Verlags.Die Zufammengehörigkeit der beiden Druckereien muß auch Heffels zugeben, er lehntaber in bekannter Voreingenommenheit jeden Antheil Gutenbergs an denfelben ab undnimmt mit Bernard eine Wanderoffizin Bechtermünze an. Wir aber bleiben bei dergutbegründeten Anficht, daß Gutenberg das Catholicon druckte, und daß die Bechter-münze des großen Meißers Schüler waren.
Auf Grund vorftehender Beobachtungen an den vorhandenen typographifchen Quellenfind verfchiedene Combinationen über die Entßehung der letjten Mainzer Preffe Guten-bergs und deren Weiterführung in Eltville möglich. Die jetjt faß allgemein herrfchendeAnßcht, welche den Revers des Dr.Humery vom 26. Februar 1468 heranzieht und Rück-fchlüffe auf ihn baut, ift die folgende.