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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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DIE URKUNDLICHEN NACHRICHTEN ÜBER JOHANN GUTENBERG .

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Hos dedit eximios fculpendi in arte magißros,

Cui placet en mactos arte fagire viros,QuosgenuitambosurbsMaguntinaJohannes,

Librorum infignes prothocaragmaticos.

Cum quibus optatum Petrus venit ad poliandrum,

Curfu pofterior, introeundo prior.

Diefer Paffus läßt an Deutlichkeit nichts zu wünfchen übrig. Die berühmten aDer-er ft en Buchdrucker waren zwei Johannes, beide in der Stadt Mainz geboren. Als drittergefeilte fich ihnen Petrus zu . 357 Jeder urteilsfähige Lefer wird die genannten drei Per-fonen fofort erkennen: Johann Gutenberg, Johann Fuß und Peter Schöffer . Nur Heffels 358ift nicht fo [charfßnnig; gegen feinen bevorzugten Freund Peter hat er nichts einzuwenden,aber die beiden Johannes find ihm nicht ßcher erwiefen! Unfer Zeugniß vom Jahre 1468ift deßhalb befonders werthvoll, weil es wenige Monate nach des Erfinders Tode direktvon Mainz ausging. Wohl ftellt es neben Gutenberg als erften Drucker deffen ehemaligenGefchäftstheilnehmer Johann Fuft, aber in ihm wird Niemand den Erfinder der Typo-graphie fuchen, welcher den Inhalt des Helmaspergerfchen Notariatsaktes von 1455 kennt.Und wem verdanken wir obiges Zeugniß, wer war der Verbreiter diefer Nachricht?Niemand anders als Peter Schöffer , der frühere Lehrling und nachherige ConcurrentGutenbergs, welcher fpäterhin dem unfterblichen Meifter feinen Ruhmeskranz aus Miß-gunß zu entwinden verfuchte. Noch zweimal, im Jahre 1472 und 1473, hat Schöffer diefeVerfe wiederabgedruckt; erß in der 3. Auflage des Juftinian (1476) ließ er ßeweg. AberSchöffers erftes unanfechtbares Zeugniß bleibt beftehen trotj der fpäter von ihm verfuchtenGefchichtsfälfchungen. Wie unbequem dasfelbe übrigens den Gegnern Gutenbergs ,erßeht man aus den fruchtlofen Bemühungen von Heffels, deffen Werth herabzuminderndurch eine gezwungene und haltlofe Interpretation der durchaus klaren Verfe.

Das d r i t te Zeugniß, welches ebenfo wie die vorhergehenden auf gut unterrichtete Kreifezurückgeht, liegt in dem oft genannten Briefe des PariferTheologen Guillaume F i ch e t 359an Robert Gaguin vor (gedruckt zu Paris 1472). Fichet berichtet dem Freunde von einemnovorum librariorum genus, quos . . . effudit Germania.

Ferunt enim, fährt er fort,illic haud procul 360 a civitate Maguntia Joan nemquendam fuiffe, cui cognomen Bonemontano , 361 qui primus omnium im-prefforiam artem excogitaverit, qua non calamo, ut prisci quidem illi,neque penna, ut nos fingimus, fed aereis litteris libri finguntur, et quidemexpedite, polite et pulchre. Dignus sane hic vir fuit, quem omnes Mufae, omnesartes omnesque eorum linguae, qui libris delectantur, divinis laudibus ornent. . .

Ueber den hohen Werth diefes ausländißhen Zeugniffes ift kein Wort zu verlieren*Heffels bemühte (ich vergebens, dasfelbe zu entkräften durch den nichtigen Einwand, daßFichet nur von einem in Deutfchland umlaufendenGerücht fpreche. Seine gezwungenenDeutungen find von A. Wyß 362 fchlagend widerlegt worden.

Auch in Italien wurde der Name des Erfinders bald bekannt, theils auf literarifchemWege, theils durch den mündlichen Bericht der eingewanderten deutfchen Buchdrucker.So verbreiten die Chroniken des Joh. Philipp de Lignamine (Rom 1474), des MatteoPalmerio (Venedig 1483), die Chronica Bossiana (Mailand 1492) und andere früh gedruckteitalienifche Quellen den Ruhm Gutenbergs.