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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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K. SCHORBACH

Erfinder des Buchdrucks hindeuten. Für die Widerfacher Gutenbergs freilich find diefeZeugniffe noch nicht überzeugend genug. Sie verkennen gänzlich das pfychologifcheMoment, welches eine Vergleichung diefer drei Urkunden ergiebt, und berufen fich darauf,dag in keinem Aktenftück Gutenberg als Erfinder genannt wird, in keinem Drudewerkefein Name als der des ausführenden Typographen erfcheint.

In der That haben wir nur eine von Gutenberg herrührende Schlußßhrift, dieoben (S. 230) citirte Stelle des Catholicon von 1460, in welcher doch wenigßens dieTypographie deutlich als deutfehe Erfindung und Mainz als Druckort bezeichnet wird.Daß Gutenberg diefe Gelegenheit nicht benutjt habe, fich als Erfinder zu nennen, undfeinen Namen und Anfpruch verßhweige, findet Heffels 353 höchß auffallend. Aberwas weiß man denn von den Beweggründen Gutenbergs , hier fo wenig wie in einemanderen Druckwerke feinen Namen zu nennen ? 354 Was fpeziell das Catholicon betrifft,fo war Gutenberg hier vielleicht gar nicht in der Lage, feine Offizin anzugeben, da er mitfremdem Gelde druckte. Aber es auch fehr fraglich, ob Gutenberg , felbft wenn er esg eko nnt hätte, fich nennen wollte. Er brauchte die von feinen Concurrenten Fuftund Schöffer eingeführte Sitte, in der Schlußßhrift die Firma anzugeben eine Gepflogen-heit, welche Schöffer aus feiner Schreiberpraxis übernommen hatte nicht nachzuahmen.Eine Geßhäftsreclame hatte Gutenberg nicht nöthig. Sein Name war damals ßhon ge-nügend bekannt und die Erzeugniffe feiner Kunß waren auch ohnedies der Welt nichtverborgen geblieben.

W ir haben hierfür gewichtige Zeugniffe in den Ausfagen von Zeitgenoffen. Inallen Kulturländern ward Deutfchland während der erften Decennien der Buch-druckerkunft als das Land der Erfindung hoch gepriefen. Allgemein galt bei den Zeit-genoffen Mainz als die Geburtsßadt der Typographie und J ohannGutenberg als ihrErfinder. Aus der Menge der zeitgenöfßßhen Stimmen, welche laut ihrer Bewunderungfür die großartigen Leiftungen der neuen Kunft Ausdruck geben, follen hier nur einigeder frühe ft en angeführt werden, welche Gutenberg deutlich als den Erfinder des Buch-drucks bezeichnen und deren Glaubwürdigkeit unanfechtbar. Die Stimmen dieferunbefangenen gutunterrichteten Zeugen reden eine nicht mißzuverftehende klare Spracheund laffen fich nicht übertönen.

Gleich das e r ß e Zeugniß ift ein äußerft gewichtiges. In der berühmten Ordonnan z 355Karls VII. von Frankreich vom 4. Oktober 1458 heißt es, der König habe vernommen,que mefßre Jehan Guthenberg Chevalier, demourant ä Mayence pays dAlle-maigne, homme adextre en tailles et caracteres de poin§ons, avoit mis en lumierelinvention dimprimer par poincjons et caracteres . . .

Hier ßehtalfo deutlich,daßjoh. Gutenberg inMainz die Kunft, mit Stempeln und Typenzu drucken, erfunden habe. AufWunßh des Königs wurde dann ein Stempelfchneiderder königlichen Münze, Nicolaus Jenfon , 356 nach Mainz gefendet, um diefe neue Kunftzu erlernen.

Die zw eite Nachricht ßehtdiefem franzößfehen Zeugniß nicht nach, ßeißfogar in einerHinficht noch bedeutfamer. Sie findet fich in einem kleinen Gedicht des Johannes Fons,das hinter der Schlußfchrift der Inftitutiones Jußiniani (Mainz, Peter Schöffer 1468) ab-gedruckt. Die berühmte Stelle lautet: