Druckschrift 
Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
Entstehung
Seite
237
Einzelbild herunterladen
 

DIE URKUNDLICHEN NACHRICHTEN ÜBER JOHANN GUTENBERG .

237

vorgeholt, für Caßaldi erhob ßch die Stimme feines Landsmannes Gius. Fumagalli , 368und der längß vergebene Jean Brito wurde erß vor kurzem in Brügge durch L. Gilliodts-van Severen 369 wieder ausgegraben. Aber fo eifrig man auch diefe alten, aus nationalerEiferfucht erwachfenen Hypothefen zu ßütjen verfuchte, vor einer kritifchen Prüfungder Wiffenfchaft, welche die Frage nach dem Erfinder der Typographie n i ch t als einenationale Frage betrachtet, halten fie nicht Stand. Sie im Einzelnen zu widerlegen, i(t nichtdie Aufgabe diefer Arbeit, welche nur die negative Kritik abzuwehren hatte, die vor allemHeffels Scharffmn an den Gutenbergakten geübt hat.

S o wenig die Anfechtungen früherer Zeiten es vermochten, Gutenberg den verdientenEhrenkranz zu rauben, ebenfo wenig können auch die neueren Beßrebungen feinerGegner ihm den mühfam erworbenen Erfinderruhm ßreitig machen. Gutenbergs Namefleht unauslöjchlich eingetragen im Buche der Gefchichte, gehütet von allen unparteiifchenVertheidigern hiftorifcher Wahrheit. Und je mehr das Verßändniß für das Wefen dergroßen technifchen Erfindung, die wir Gutenberg danken, fich vertieft, je deutlicher erkanntwird, welche Summe mühfamer Arbeit geleiflet werden mußte, bis die vollkommene Her-ftellung der gegoffenen Einzelbuchftaben und der vielfältigen Druckwerkzeuge gelang, jemächtiger die fegensreichen Wirkungen der Buchdruckerkunft bei allen Völkern der Erdezu Tage treten, um fo dankbarer wird die Nachwelt des Erfinders gedenken.

Wenn aber im Jahre 2000 die Geburtsfladt Gutenbergs ein neues Säcularfeft zur Ehrungfeines Andenkens feiert, dann wird die gefamte urtheilsfähigeMenfchheit einig fein in derUeberzeugung, die fchon vor 4 Jahrhunderten Ivo Wittigs 370 Denkftein zum Ausdruckbrachte, daßJohannGutenberges war, welcher die Kunft erfand, mit metallenen Buch-ftaben zu drucken, und (ich durch diefe Kunft um die ganze Welt verdient machte.

KARL SCHORBACH.

* I 1. Hochverdiente .... Ehren-Rettung Johann Guttenbergs. Leipzig 1741.

^»nmCrK.Un§CIl 2. Vindiciae typographicae. Argentorati 1760. Im Anhang Seite 342 [ind dieDocumenta Nr. IVIII abgedruckt, d. h. Urkundenbelegeex Argentinenfibus tabulariis et bibliothecis.

3. Die Gefchichte der Erfindung der Buchdruckerkunß. 3 Bde. Mainz 1830 f, 2. Aufl. Mainz 1855.

4. Gutenberg. Gefchichte und Erdichtung aus den Quellen nachgewiefen. Stuttgart 1878.

5. Gefchichte der Erfindung der Buchdruckkunß [!]. 3. Bde. Berlin 1886.

6. Gutenberg: was he the inventor of printing? London 1882. Das neue[te Werk von Heffels, Haarlem ,the birth-place of printing, not Mentz. London 1887 (holländifch mit einigen Zufäßen. Haarlem 1888)kommt für uns faß gar nicht in Betracht. Zu vergleichen nur Cap. 17. Intereffant, daß dies Buchvon demfelben Verfaffer ßammt, der 1871 v. d. Lindes Haarlemfche Coßerlegende ins Englifche über-trug. Heffels machte die umgekehrte Wandlung durch, wie fein Haarlemer Landsmann A. v. d. Linde,der aus einem Anhänger Coßers zu einem Vertheidiger Gutenbergs wurde.

7. An thatfächlich erdichteten Nachrichten find folgende zwei BodmannfchenFälfchungen zu erwähnen,die übrigens fo plump find, daß man ßch wundern muß, wie feine Freunde ßch von ihm narren ließen.

a) Ein angeblicher Brief Gutenbergs (dat. Straßburg 24. März 1424) an feine fingirte Schweßer Bertha(l),Nonne im S. Clara-Kloßer zu Mainz . Der Ausßeller heißt darin Henne Gensfleifch genannt Sorgenloch !Eine französ. Ueberfeßung diefes Machwerks bei Oberlin, Essai dannales de la vie de Gutenberg1801 S. 3 und der deutfche Text (nach dem angeblichen Original im Mainzer Archiv) von G. Fifcher,Essai sur les mon. typ. 1802 S. 23 mitgetheilt. Die Fälfchung wurde von Schaab, Erfind, der Buch-druckerk. I S. 32 ff erwiefen; vgl. auch Heffels, Gutenberg S. 11 No. 1.

b) Ein Dokument (dat. 20. Juli 1459), angeblich ausgefertigt in Urkundenform mit 4 anhängenden Siegeln,worin Gutenberg (Henne Gensfleifch von Sulgeloch (!), genannt Gudinberg) und fein Bruder Friele