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HEINRICH WALLAU
zu laßen, daß die Leitung des Erfinders und Herßellers diefer Druckßöcke die Fähig-keiten des Druckers derfelben bedeutend übertrifft und daß man bei weitem nicht dieWiedergabe erreichte, die nach der vortrefflichen Befchaffenheit der Stöcke fehr wohlmöglich gewefen wäre. Technißh vollkommene Abdrücke der Initialen, wie das immerforgfältig behandelte große B in Pf. 1457 und 1459 oder Pf. 1457 Bl. 98a Initiale C2. Größe, finden fich fehr feiten. Gerade fie rücken jenen Gegenfaß in um fo helleresLicht, daß nämlich, wie v. d. Linde fich (Quellenforfchungen S. 82) ausdrückt, das vonGutenberg überkommene Material allerdings vorzüglich war, aber nicht fo ausgezeichnetdie damit, ohne Gutenbergs Führung, von Schöffer verrichtete Arbeit.
Für die Beurtheilung der technifchen Fähigkeiten Schöffers fcheint mir die Thatfachebezeichnend, daß keiner feiner Drucke auch nur den Verfuch aufweiß, den Metallßhnitt,der fich für den Druck von Verzierungen fo glänzend bewährt hatte, zu benußen. Ebenfowenig findet fich eine Spur davon, daß Schöffer die gefchickte, unfchwer auf mancherleiArt zu variierende Erfindung des beliebigen ein- oder zweifarbigen Abzugs eines Druck-ßocks je verwerthet habe. Er (cheint dem Meißerßück eines „genialen Mechanikers undMetallarbeiters,“ als welchen Bruun (Underfögelser u. f. w. S. 85) Gutenberg treffendcharakterißert, verßändnißlos gegenüber zu ßehen, ein Hinweis, der mitRückßcht auf diefür Schöffer oft erhobenen Anfprüche als „Miterfinder und Verbefferer“ der Typographiegewiß Beachtung verdient. 22
Drudeverfahren des Pfalter- T~'v as Druckverfahren der Ausgabe von 1490 erweiß fich alsdrucks von 1490. Zweifarbiger grundfäßlich verfchieden von dem hier geßhilderten der
Textdruck in getrenntenFormen Drucke yQn ^ und 1450- Es jß eine Verbindung des zwei-von je zwei Seiten; feitenweifer _ \
Eindruck der zweifarb. Initialen, förmigen bogenweifen Drucks mit feitenweifem Einzeldruck.
In Formen von zwei Columnen wurden nämlich gedruckt,zuerß die Rubriken, rothen Verfalien (Uncialen) und Notenlinien, fodann (wohl durch-weg unter Verwendung des gleichen, beim Rothdruck entfprechend gedeckten Saßes) der(chwarze Text nebft den Notenköpfen. Völlig getrennt hiervon erfolgte nach der Fertig-ßellung diefer beiden Formen, vielleicht fogar für einen großen Theil aller Bogen desWerkes, der Eindruck der zweifarbigen Initialen Seite um Seite. Zu diefem Zweckwurden die auf beiden Seiten fertiggedruckten Bogen einmal gefalzt, beziehungsweifewieder umgefalzt, fofern auch die inneren Seiten mit Initialen auszuftatten waren.
Der gleichzeitige Druck von Formen zu zwei Columnen ift durch hie und da vor-kommende Regißerjchwankungen aufzufammengehörigen Blättern des Bogens zweifelloszu erweifen. Die Fälle diefer Art find zwar nicht häufig aber doch unfchwer zu finden.Man war im Druck und der Punktierung diefer großen Bogen offenbar gut bewandert,die beiden Farben fowohl, wie Schön- und Widerdruck ßehen faß durchweg in gutemRegißer. Ich verzichte an diefer Stelle auf ausführliche Nachweife und notiere nur nach-ßehende Beifpiele. Im Bogen 199/204 fteht auf den Seiten 199b und 204a das Roth umca. 2 mm zu hoch; Bogen 108/109 auf den Seiten 108b und 109a fteht das Roth nachlinks zunehmend tiefer; Bogen 140/141 fällt die äußere Form, 141b/140a, um ca. 3 mmnach unten aus dem Regifter und zwar fchräg über den Bogen; ebenfo fällt in Bogen148/149 fehr deutlich die innere Form, 148b/149a nach rechts 3 mm. Auch die fpäter zubefprechenden gegenfeitigen Abklatfche von je zwei zufammengehörigen, frijeh gedruckten