DIE ZWEIFARBIGEN INITIALEN DER PSALTERDRUCKE.
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Seiten einer Form weifen auf gleichzeitigen Drude derfelben hin. Die Farben haben vonbeiden Seiten gleich ßark abgezogen. Siehe in der lebten Tritern-Lage von 1490 die innerenFormen der Bogen 205/210,206/209,207/208. Das nur wenig (chwächer mit abgeklatfchteRoth bezeugt ferner den fehr bald nach einander erfolgten Drude der beiden Farben.Audi das gute Regifter fpricht dafür, daß die fchwarze Form, deren Satj ja fchon in derPrejfe (fand und nur weniger Aenderungen bedurfte, unmittelbar nach der rothen auf-gedruckt wurde. 23
Die Reihenfolge des Drucks der in verfchiedenen Farben ge- Beobachtung der Aufeinan-druckten Formen ergiebt fich fcheinbar fehr einfach aus der Feft- ^[ge^De&^der Farben"ßellung der Folge, in der fich die Farben decken, wenn fie im „Abfchmut?“ beim EindruckDruck Übereinanderfallen. Die Beobachtung des wirklichen Sach- der initialen.
Verhalts wird indeffen nicht feiten durch das Verhalten der Farben beim Eintrocknen nachdem Druck beträchtlich erfchwert.
Ein näheres Eingehen auf diefe wichtige Frage erfcheint befonders mit Rückficht aufdas parke „Durchwachfen" der fchwarzen und rothen Farbe geboten, die häufig zu decken[cheinen, trotjdem pe zuerP aufgedruckt wurden. Den Schwarz- und Rothdruck des Textesunferes Pfalters von 1490 auseinander zu halten, begegnet fchon einer gewiffen Schwierig-keit. Einerfeits fcheinen die fchwarzen Notenzeichen faP ausnahmslos von den rothenNotenlinien gedeckt zu werden, während anderfeits ebenfo zahlreiche Stellen außerZweifel ftellen, daß der Schwarzdruck den vorangegangenen Rothdruck deckt. Durchforgfältige Prüfung der Notenfyßeme läßt fich feftftellen, daß der Rothdruck der Liniendoch zuerft, mit den Rubriken u. a. zufammen, ßattgefunden hat und die ftark pigment-haltige rothe Farbe durch das vielleicht in jchwachem Firniß angeriebene Schwarz in derThat auffallend energifch durchgewachfen iß. Deutlich erweifen diefe Thatfachen dieStellen, wo die fchwarzen Notenköpfe in die Linien tief eingepreßt find, wie auf Bl. 4 a,6 a, 40 b und vielen anderen, und Roth auch in der Vertiefung der Notenzeichen ßeht;oft an den Kanten, wo die jehwarze Farbe in folchem Falle dünner abdruckt, befondersßark. Etwas beffer pflegt Schwarz in diefem Druck zu decken, wenn es auf Initialen oderandere Typen fällt, wie z. B. Bl. 6 a und andere zahlreiche Stellen beweifen. Hat indeffender Rothdruck einen paftofen Rand, fo erfcheint diefer faß immer als dunkelbraune Stelleim Schwarz. Vollkommen decken das Roth die verfehentlich abdruckenden Ausfchluß-ßücke (Spieße) der (chwarzen Form, offenbar weil hier eine große Farbemenge unterleichtem Druck auf die rothen Zeilen gedruckt wurde. Siehe die bezeichnenden fchwarzen„Spieße“ auf Bl. 9b (Feria sexta); 15a (oberhalb Initiale D); 31b Zeile 4 v. o. Unciale D;57b (Phares); 74b (Antiphona); 78a (Feria) u. a. m. Zum Druck der beiden Formen Roth und Schwarz wurden nicht getrennte Sätje hergeßellt, fondern der gleiche Satj in derbekannten Weife benutjt. 24 Zahlreiche Stellen, wo beim Rothdruck die aufgelegte Maskeoder die Ausjchnitte im „Rähmchen“ nicht genau paffen und die gleichen Typen in Roth und Schwarz abgedruckt find, beweifen das Verfahren ganz ficher. Beifpiele finden fichBl. 24a Zeile 4 v. u. (Pfalmus); 40a Z. 2, 5 und 7 v. u. unterhalb der rothen VerfallenA, E und E; 41a Zeile 5 v. u. V(enite) mit rothem Anfatj links; 43a, 59b ufw.
Wefentlich fchwieriger wird indeffen dieFeftßellung der Druckfolge bei den zweifarbigenInitialen, namentlich deren Ornamenten, wo es fich häufig um durchfcheinende, firniß-reiche Farben handelt, die auf tieffchwarze Textftellen aufgedruckt wurden. Je dünner