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nicht näher eingehn. Grade diese Dinge bedürfen keines/ Beweises und lassen sich mit statistischen Gruppirungennicht aus der Welt schaffen. Jeder im praktischen LebenStehende weiß, daß die Dinge sich umgekehrt verhalten,wie der Herr Reichsbankpräsident annimmt. Man hatauch nur nöthig, die Börsenberichte anzusehn. Im politi-schen Theil liefern nnsre Goldwährungsblätter die statisti-schen Beweise, daß zwischen Rubelpreis und Roggenpreiskein Zusammenhang sei, wie ihnen der Herr vr. Kochnacherzählt — im Börsentheil aber lesen wir „Roggenfest wegen Steigerung des Rubelkurses" oder „der Rück-gang des Rubelkurses führte zu weichenden Roggenpreisen".Die Produktenbörse ist gewiß nicht bimetallistisch, sie mußalso wohl aus Erfahrung gelernt haben, wie Roggenpreisund Rubelpreis in Zusammenhang stehn.
Freilich scheint merkwürdigerweise Herr Or. Koch sichvon diesem Zusammenhang und der Wirkung der Valuta-Differenzen — also auch einer Grundfrage des Wäh-rungsproblems — ein völlig falsches Bild zu machen,denn er sagt:
„Der Kurs fällt auf 204, die Ausfuhr geht zurück,während sie nach Herrn von Graß eigentlich hätte zu-nehmen müssen, damit der vermeintlich prosperirende russi-sche Bauer mit großem Profit bei niedrigen Rubelkursendie Differenz in die Taschen stecken und davon dsus lebenkann gegenüber dem armen deutschen, der mit dem em-pfangenen Goldgeld nur schwer die Zinsen seiner Schuldenbezahlen kann."
Wie stellt sich denn Herr vr. Koch den „großen Prositdes vermeintlich prosperirenden russischen Bauers"aus der Valuta-Differenz vor? Wie soll denn der russischeBauer aus der Höherwerthigkeit des deutschen GeldesProfitiren und welchen Nachtheil hätte der deutsche Bauer,wenn der Russe sich die Valuta-Differenz in die Taschesteckte? Daß er das nicht kann und nicht thut, das ist jadas, was die Valuta-Differenz für uns so schädigendmacht. Der Russe empfängt den üblichen Preis in Rubelund ist damit zufrieden, er hat den Vortheil leichterenAbsatzes, vielleicht wäre ohne den Export der Preis noch