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Herr Reichsbankpräsident Dr. Koch und die Währungsfrage : eine Antwort auf die Herrenhausrede des Herrn Dr. Koch vom 16. Mai 1895 / von Otto Arendt
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gläubigen Goldwährungsleute werden sich die Augen reibenund nicht begreifen können, daß sie sich von einer Handvoll fanatischer Doktrinäre so lange haben verblenden lassen.DerSilberschrecken" wird künftigen Geschlechtern ebensokomisch vorkommen, wie, uns die Furcht vor der Goldent-werthung, die theilweise dieselben Männer (M, Chevalier)und jedenfalls dieselbe, die monometallistische Partei, vor30-40 Jahren erfüllte.

Ganz anders allerdings würde sich die bimetallistischeZukunft nach der Auffassung des Herrn Reichsbankpräsidentengestalten. Er sagt:

Was würde die Folge sein, wenn wir den Bime-tallismus mit einigen anderen Staaten zusammen ein-führten? Große Silber produzirendeLänder würden draußenbleiben' Mexiko, Bolivien, Peru zc. und ihre Produktionnatürlich steigern; man hat berechnet, daß die Huanxaca-Mine die Unze für 15 Pence veräußern kann. Jetzt stehtdas Silber auf dem Weltmarkt in London zwischen 30und 31. Die Folge würde sein, das Gold würde baldabfließen, was wir mit Mühe gesammelt haben, welchesdas Rückgrat unseres ganzen Geldwesens, Banknoten-,unseres Giro- und Clearingverkehrs bildet und großeSilbermassen würden zu uns behufs-Ausprägung insLand fließen, für welche ein Bedürfniß, als Zahlmittelverwendet zu werden, nicht besteht; sie würden also todtin den Banken liegen und ungesunde Zinsfußbewegungenveranlassen. Wir Hütten nur den Schaden. Wir würdenalso die anderen Länder, die Silber billig produziren, be-reichern, indem wir es zu dem gesetzlichen hohen Preise auf-nehmen müssen. Nach einiger Zeit würde aber der Bundzusammenbrechen. Der Staat kann nicht den Preis desSilbers dekreditiren. Metalle von so verschiedenen Pro-duktionsverhältnissen, Staaten von so verschiedenen Be-dürfnissen lassen sich nicht dauernd zusammenhingen."

Wort für Wort in dieser Auslassung des Herrn Prä-sidenten der Deutschen Reichsbank ist so verwunderlich, daßmau es ihm nicht verargen kann, daß er mit solchen An-schauungen Gegner des Bimetallismus ist. Verargen kannman ihm nur, daß er die Frage nicht besser prüft und