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solche Irrthümer in seiner einflußreichen Stelle zur Grund-lage nicht nur semer Währungspolitik macht, sondern auchdiese der Reichspolitik aufzudrängen sucht.
Wie schief ist schon der Ausdruck, daß Deutschland den Bimetallismus mit „einigen anderen Staaten" durch-führen soll! Es handelt sich um England mit seinenKolonien, den Vereinigten Staaten , dem lateinischen Münz-bund, namentlich Frankreich und Italien . Ferner stehtfest, daß Holland, Belgien, Spanien, Oesterreich-Ungarn bereit sind, dem Währungsbund beizutreten. Das sindnicht „einige andere Staaten", sondern das sind die Haupt-staaten der Welt und diejenigen, welche dergestalt denAusschlag geben, daß die übrige Welt sich ihnen ohne Weiteresanschließen muß. Thäte das z. B. der einzige noch in Be-tracht kommende wichtige Staat Rnßland nicht, so hat gradedieser kein Silber zum Erport und müßte, selbst ivenn er dieGoldwährung einführen wollte, zunächst in großem UmfangSilber znr Beschaffung von Scheidemünze erwerben. ImUcbrigen behält Rußland anch jetzt seine Goldproduktionfür sich und zieht außerdem Gold an sich, mehr könnte eskünftig anch nicht thun, ganz abgesehen davon, daß derrussischen Regierung die Thorheit einem bimetallistischenEuropa gegenüber allein zur Goldwährung überzugehn,ernstlich nicht zugetraut werden kann. Thäte Rußland dasaber, so läge das außerordentlich im deutschen Interesse.Wenn die Landwirthe über den russischen Rubelkurs klagen,so sagt man, daran kann der Bimetallismus nichts ändern,denn Rußland hat ja Papierwährung, wenn aber ein Gold-abfluß für den Fall des Bimetallismus konstruirt werdensoll, dann heißt es — mit Professor Lotz — Nußland wirdunser Gold zur Durchführung der Goldwährung heran-ziehn — nun gut, dann beseitigt doch der Bimetallismnssicher die Valuta-Differenz mit Rußland , hilft also derdeutschen Produktion, und ein so stark Gold produzirendesLand wie Rußland , das bereits derartige Goldbestände be-sitzt, kann doch den europäischen Großstaateu unmöglichnoch erhebliche Goldsummen entziehn, man müßte denn amnehmen, daß schließlich die Kosacken ihre Pferde ans goldnenKrippen füttern. Vorerst ist Nußland ein armes Land mit