Druckschrift 
Wir und die Engländer : offener Brief an einen englischen Freund / von Otto Arendt, Mitgleid des Reichstags und des Hauses der Abgeordneten
Entstehung
Seite
9
Einzelbild herunterladen
 

9

Die Entschlossenheit und Siegeszuversicht ist heute bei uns vielgrößer als bei Beginn des Krieges. Es ist nicht unmöglich, daß, alsim Sommer der Weltenbrand drohte, die leitenden englischer Staats-männer vor den Folgen ihrer eigenen Handlungen zurückschrecktenund im letzten Augenblick vielleicht noch einmal den Funken von demvon ihnen seit Jahren angesammelten Pulver zurückhalten wollten.Sie haben dann entweder infolge ihrer Verpflichtungen es nicht mehrvermocht oder die Bewegung ging über sie fort. Ich glaube gern, daßder Dreiverband in: Sommer 1914 noch nicht losschlagen wollte.Französische Schwatzhaftigkeit hat uns ja verraten, daß erst 1916 dieBombe platzen sollte, wenn überall, namentlich in Rußland , die Rüstungenvollendet waren. Dann sollte Deutschland zerschmettert werden. Übrigenswäre die Acrschmetterung Deutschlands , wie ich Ihnen noch zeigenwerde und wie Sie früher selbst oft anerkannten, eine strafliche Kurz-sichtigkeit vom Standpunkte der wahren englischen Interessen.

Der Weltkrieg war unvermeidlich, wenn England ihn anstrebte,was Sie immer leugneten. Erinnern Sie sich unserer Auseinander-setzungen über die Balkanwirren? Als die Jungtürken den SultanAbdul 5?amid stürzten, steckte dahinter das Streben des Dreiverbandes,den deutschen Einfluß am Goldenen Horn zu brechen. Den Engländernschien ein Krieg gegen Deutschland zu gefährlich, solange die Türkei dabei gegen England losschlagen konnte. Ich sagte Ihnen damals, daßdie jungtürkische Bewegung notwendig noch viel stärker deutschfreundlichwerden würde als der entthronte Sultan. Als sich das tatsächlich heraus-stellte, wurde der Balkankrieg angezettelt. Aber hierbei ging es wie beidem russisch -japanischen Krieg. Die Wirkung der Sprengbombe warzu stark. Wie die Japaner zu sehr siegten, so war die Niederlage derTürkei zu groß. Daraus entstand der zweite Balkankrieg, der die Früchtedes ersten für den Dreiverband verdarb. Die Türkei erstarkte wiederdurch hie Aurückeroberung Adrianopels, und Bulgarien wurde tödlichgekränkt. So ist der heilige Krieg des Islam jetzt gekommen, den zuvermeiden England unbedingt sorgen mußte. Die Einbuße Englands durch die Feindschaft des Jslanis ist nie wieder auszugleichen, keinSieg, kein Frieden kann daran etwas andern. Englands Weltherr-schaft ist erschüttert; England wird niemals wieder die günstige Stellungzurückgewinnen, die es bis zum Weltkriege besaß.

Wiederum erinnere ich Sie an unsere Übereinstimmung darüber,daß die Spaltung des Kontinents in Iweibund und Dreibund England die ausschlaggebende Stellung gab und der für England wünschenswerteste