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Wir und die Engländer : offener Brief an einen englischen Freund / von Otto Arendt, Mitgleid des Reichstags und des Hauses der Abgeordneten
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<in den entscheidenden Punkt. Der Dreibund wollte den Frieden, derAwcibund wollte den Krieg, aber er fürchtete ihn zugleich. Da trat ihmEngland bei und machte ihm Mut. Erst weil England den Krieg nichtbinderte, wurde der Krieg möglich. Es ist Englands Krieg. Franzosen ,Belgier, Russen sind ohne es zu ahnen Englands Werkzeuge,kämpfen für englische Zwecke, opfern ihr Blut für Englands Welt-herrschaft. Ohne Englands Einkreisungspolitik hatte der französischeChauvinismus sich nicht am Leben erhalten, wäre das Dreijahrsgesctznie in Kraft getreten, hatte Rußland seine Rüstungen nicht durchgeführt.Nicht der deutsche Militarismus, nur die englische Weltbcrrschafts-politik tragt die Blutschuld des Weltkrieges.

Wie oft haben wir uns über den deutschen Militarismus unter-halten! Sie erkannten an, daß es kein Beispiel in der Weltgeschichtegibt, daß ein Volk nach so gewaltigen Siegen, wie wir sie 1866 und1870 erfochten haben, seine Macht nicht einsetzt zu Eroberungen undehrgeizigen Bestrebungen, sondern nur zum Schutze des Weltfriedens.Durch 44 Jahre hat Deutschland diese großartige Friedenspolitik ge-trieben, und nun soll es plötzlich überfeine friedlichen Nachbarn grundlosherfallen? Wie oft haben Sie Wilhelm I I. als Friedenshort gepriesenund er soll am Weltkrieg schuldig sein? Sie haben die allgemeine Webr-pflicht für Engtand herbeigewünscht, weil Sie den hohen erzieherischenWert der Heeresausbildung für das deutsche Volk erkannten. Vormir liegt einer Ihrer letzten Briefe. Sie vertrauten damals auf dieAufrechterhaltung des Friedens. Denn, so schrieben Sie, die Ver-antwortung für den Krieg wäre so ungeheuerlich, daß keine Regierung sietragen würdeund wenn die Fürsten und Minister so geblendet wären,das Volk ließe es nicht zu, die allgemeine Dienstpflicht ist die besteFriedensbürgschaft" So urteilten Sie damals richtig über den deutschen Militarismus, er war nie eine Kriegsdrohung, er war immer die besteFriedcnsbürgschaft. Wenn aber jetzt das ganze deutsche Volk ohne jedenPartciunterschied zu diesem Kriege entschlossen ist, so muß das Volk er-kannt haben, daß eS ein ohne unsere Schuld uns aufgezwungener unddeshalb notwendiger Krieg ist. Ich habe in meiner Jugend die Begeiste-rung von 1870 erlebt, sie blieb weit zurück hinter der Begeisterung von1914. Wir haben jetzt ein halbes Jahr hindurch furchtbare Opferbringen müssen, Sie wissen, daß mein Junge, den Sie ja auchkannten und schätzten, zu den Opfern zählt. Aber in diesem heiligenVolkskriege wird Deutschland niemals zu besiegen sein, weil das ganzeVolk jedes Opfer bringen wird, um zu siegen.