wollen Sie, wir sind ja hier doch eigentlich alle Deutsche ". KönigEduard VII. hat übrigens noch den sachsischen Hausordcn verliehen,so sehr hing er noch mit seinem Stammhause zusammen. Erst seinSohn scheint vergessen zu haben, daß sein Großvater ein guterDeutscher war — und die Englander haben das wohl auch vergessen.
Sicher lag es im deutschen Interesse, gute Beziehungen zu Eng-land zu halten, aber weder der Kaiser, noch einer seiner Ratgeber habendas verkannt, alle haben sie das Mögliche getan nach dieser Richtung.Auch die öffentliche Meinung Deutschlands war durchaus für eindeutsch-englisches Einvernehmen. England brauchte nur in die ihmoft dargebotene Hand einzuschlagen. Sie haben die Worte Bethmann-.Volwegs gelesen? Wahrend seiner fünfjährigen Kanzlerschaft war erunausgesetzt bemüht, die Freundschaft mit England zu pflegen. Wasbedeutete die Sendung Marschalls und dann Lichnowskys nach London anders als den ernstesten Versuch Deutschlands , das gute Einvernehmenmit Großbritannien zu starken. Was aber tat England ? Immer engerschloß sich England dem Aweibund an, bis der Dreiverband zur offenen,nicht mehr wegzuleugnenden Tatsache wurde. Sie haben mir das oftdahin erklärt, daß England, indem es sich das Vertrauen Frankreichs und Rußlands erwarb, diese von kriegerischen Abenteuern fernhaltenwolle — denn England , so meinten Sie, hätte ein Lebensinteresse ander Ausrechterhaltung des Weltfriedens und des europäischen Gleich-gewichts, wie es sich durch Dreibund und Dreiverband heraus-gebildet.
Ich bezeichnete Ihnen damals die englische Politik als gefährlich.Deutschland und der Dreibund, so führte ich Ihnen aus, sind friedlich, siebaben keine Ausbreitungsziele, sie wollen nur sich und den Frieden ver-teidigen. Stellt sich England hinter den Dreibund, wie es bis zum An-fang des 20. Jahrhunderts tatsächlich der Fall war, so wäre ein euro-päischer Krieg unmöglich. Im Gegensatz zum Dreibund war der Awei-bund nicht ohne Ausbreitungsziele. Rußland strebte nach dem „eis-freien Hafen", nach der Öffnung der Dardanellen. Es machte sich diefranzösischen Revanchewünsche, die Hoffnungen auf Aurückeroberungvon Elsaß-Lothringen zu nutze. Jeder Einsichtige mußte sehen, daßnur hier die Kriegsgefahr drohte. England aber trat nicht diesen ge-fährlichen Jettelungen entgegen, sondern stärkte sie. Ganz offen wurdendie Kriegspläne verhandelt. Die Landung der englischen Truppen aufdem Kontinent ist lange vorbereitet und vorgesehen, ehe die Verletzungder Neutralität Belgiens durch uns in Frage stand. Hier kommen wir