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Wir und die Engländer : offener Brief an einen englischen Freund / von Otto Arendt, Mitgleid des Reichstags und des Hauses der Abgeordneten
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dadurch die erste Trübung unseres Verhaltnisse? zu Rußland hervor-rief. Es war nach dem Beginn unserer kolonialen Entfaltung in Afrika ,als Fürst Bismarck mich zu sich bestellte. Er sagte mir, daß er sich freueüber unsere überseeische Ausbreitung, daß er aber immer erwarten müsse,daß wir ihm in Afrika seine europaischen Zirkel nicht störten. Unsere Lagein Europa ist eine sehr schwierige, sagte er. Wir stehen immer der Mög-lichkeit einer Koalition gegenüber. Jur Aufrechterhaltung des Friedensist uns der Dreibund unentbehrlich. Auf Italien aber können wir nursolange sicher zählen, als England nicht gegen uns ist. In England neigen, die Liberalen zu den franzosischen Radikalen, wahrend dieTones mit ihrer imperialistischen Politik uns als Stütze auf dem Kon-tinent nicht entbehren können. Deshalb liegt die Aufrechterhaltung desTory-MinisteriumS im deutschen Interesse, und wir dürfen ihm keineSchwierigkeiten wegen Afrika machen". Die englischen Tones sindja später nicht minder deutschfeindlich geworden, aber schließlich warenes doch die englischen Liberalen, die den Dreiverband und damit denWeltkrieg verschuldeten.

. Nach dem Rücktritt BismarckS wahrend der Ära Caprivi bespracbeinmal der damalige Staatssekretär von Marschall mit nur unsereStellung zu England genau so wie der große Kanzler. Als ich einscharfer Caprivi-Gegncr ihn hierauf hinwies, antwortete er,sehenSie, wir arbeiten doch nocb in BismarckS Geist."

Wie oft haben wir Beide in der Folgezeit die deutsch -englischenBeziehungen besprochen. Sie batten stets die vollste Anerkennung fürdie Friedenstätigkeit unseres Kaisers und seiner Ratgeber.

War es nicht der Kaiser, der sich unter Aufopferung vieler Sym-pathien seines Volkes der elementaren Burenbegcisterung entgegen-stellte und so England vielleicht von einer Katastrophe rettete? DasKrügertelegramm, das in England so sehr mißdeutet wurde, stammteübrigens von Marschall, dessen englandfreundliche Politik ich Ihneneben auswies.

Es begann die unseligeEinkreisungspolitik" Eduards VII . Wiederwar es ein deutscher Staatssekretär, Freiherr v. Richthofen, der mireamals sagte: Eduard VII . ist der letzte Deutsche auf dem englischenThron, sein Sohn ist der erste Jingo, der König wird, erst mit ihm ent-steht eine wirkliche Kriegsgefahr. Herr v. Richthofen erzählte mir, daßbei einem Frühstück, zu dem er beim Hofe in London geladen war, fastnur deutsch gesprochen wurde; als er seiner Nachbarin, einer englischenPrinzessin, eine Bemerkung hierüber macbte, antwortete sie:Was