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Handel durch Kriegsschiffe, nur den Deutschen hatte man am liebstendie Flotte verboten. Und doch ließen uns alle Verstärkungen der eng-lischen Flotte kalt, wir bauten nicht zum Angriff, sondern zur Verteidigung.Die Englander aber vermehrten ihre Seerüstungen bis über das Maßihrer Leistungsfähigkeit. Das war die Schraube ohne Ende. Nicht derdeutsche Militarismus, der nur zögernd und notgedrungen den Rüstungenanderer Staaten folgte, sondern das schlechte Gewissen Englands , dasüberall nur böse Absichten witterte, haben die Unruhe der letzten Jahreverschuldet. Im Orient wie in Marokko, immer war England der Draht-zieher, der die gegen Deutschland gerichteten Machenschaften leitete.So war nacbgcrade durch Englands Schuld die Lage immer gespanntergeworden — da kam die Katastrophe von Serajewv. Damals schrieb ichIhnen, daß ich die Lage für sehr ernst ansehe. Wenn die HabsburgischeMonarchie nicht abdanken und den? inneren Zerfall entgegengehenwollte, so mußte sie gegen Serbien scharf vorgehen. Serbien aberwar der Schützling Nußlands. — Sie antworteten mir damals, daß Sienieinc Besorgnisse nicht teilten. Keine Macht, am wenigsten England ,könne sich der Meuchelmörder annehmen, auch nicht ihrer Anstifter undBescbützer. England würde sicher in Petersburg einwirken, und ohneEngland würde der Iweibund nicht losschlagen.
Diese Ihre Ausführungen sind mir jetzt überaus wertvoll. Ichbin durchaus Ihrer Meinung. Ohne England hätte der Iweibundnicht losgeschlagen. Er hat aber losgeschlagen, also schlug er mit Eng-land los! Und England konnte, als der Krieg ausbrach, am 1. Augustnicht wissen, daß Deutschland am 4. August in Belgien einmarschierenwürde. Nun rücken Sie einmal wieder Ihre Brille etwas ab. Wie wärendie Dinge gekommen, wenn Deutschland die belgische Neutralität re-spektiert bättc? Wäre England neutral geblieben? Das brauchte esja nur zu erklaren, dann würde entweder der Krieg vermieden oderBelgien nicht bcrübrt. Deutschland bemühte sich ja, Englands Neutralitätzu gewinnen. Aber England stellte bereits Bedingungen, die einerParteinahme gleichkamen. Und nun frage ich jeden englischen Gentleman,der noch als Pflicht des anstandigen Mannes anerkennt, die Wahr-heit zu sagen, konnte England eine Niederlage des Iweibundes hin-nehmen, ohne in den Krieg einzugreifen? Das englische Volk hättedas niemals getan. Eben deshalb war es für England selbstverständlicb,daß es gleich in den Krieg eingriff, um wenn möglich diese Niederlagezu verhindern: Es ist also den Engländern kein Vorwurf daraus zu machen,daß sie in den Krieg eingriffcn, sondern daraus, daß sie den Krieg nicht