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Wir und die Engländer : offener Brief an einen englischen Freund / von Otto Arendt, Mitgleid des Reichstags und des Hauses der Abgeordneten
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verhinderten, wozu sie die Macht hatten. Der Krieg also kam mir oderohne unseren Einmarsch in Belgien . Die Verletzung der belgischen Neu-tralität war der willkommene Vorwand zum Kriege für England .Ohne diesen Vorwand hatte die englische Negierung es sicher schwerergehabt, die starke englische Friedenspartei und Manner Ihrer Art mitsich fortzureißen und die Verhetzung der Neutralen gegen Deutschland hatte nicht so erfolgreich durchgeführt werden können. Aber trotzdemwar unser Einmarsch in Belgien unumgänglich nötig. Eben weil Eng-land früher oder spater sicher in den Krieg eingegriffen bätte, mußtenwir ihm in der Besetzung Belgiens zuvorkommen. Hätten wir das unter-lassen, so wäre England , natürlichzum Schutze der belgischen Neutrali-tat", sehr schnell zur Besetzung des Landes geschritten. Wir wissen jajetzt, daß dieneutrale" belgische Negierung dies längst mit England vereinbart hatte. Dann aber drohte unserem in Frankreich kämpfendenHeere vom Rücken her eine Armee von 3l)v 0W Engländern und Bel-giern, die über die unbewehrte Nheinprovinz uns einen Stoß in? >)crzgeben konnte.

Es ist für mich ganz selbstverständlich, daß, wenn die Dinge um-gekehrt gelegen hätten, die Engländer ohne Zögern in Belgien ein-marschiert wären. In solchen nationalen Lebensfragen hat noch nie-mals ein Staat bestehende Verträge respektiert. Not kennt kein Gebot rigdt 0r n-ronA' m^ eounti'^ wie kann das Land, das nacb diesemWahrspruch immer gehandelt hat, eS den Deutschen zur Todsünde an-rechnen, daß sie in einem Augenblick, wo von allen Seiten Einbreche-in das Vaterland einfallen, das Recht der Notwehr angewendethaben.

Wir haben dabei offen und ehrlich gehandelt, andere Nationenhätten Vorwände gesucht und gefunden, der Reichskanzler von Bcthmann-Hollweg erkannte an, daß wir ein Unrecht begingen, aber wir wärendazu gezwungen. Das war ein unglücklicher Ausdruck für einen rich-tigen Gedanken. Wir haben kein tatsächliches, sondern nur ein for-melles Unrecht begangen. Das hat auch der Kanzler sagen wollen. Wieaber hat eine gewissenlose Hetze sein ehrliches Wort ausgebeutet. Daswird nur übcrtroffen durch den Mißbrauch mit den? Wortein FetzenPapier" von der belgischen Neutralität. Findet man doch in England jetzt Todesanzeigen gefallener Offiziere mit dem Satzauch er starb füreinen Fetzen Papier ".

Hätte England Frankreich den Krieg erklärt, wenn die Franzosen in Belgien einmarschiert wären? Dasneutrale" Belgien hat mit Eng-