Druckschrift 
Wir und die Engländer : offener Brief an einen englischen Freund / von Otto Arendt, Mitgleid des Reichstags und des Hauses der Abgeordneten
Entstehung
Seite
13
Einzelbild herunterladen
 

13

land gegen Deutschland Abreden getroffen, wo sind die Abreden gegen-Frankreich? Mit Frankreich war man eben im Einvernehmen. Deutsch-land mußte unbedingt mit der Gegnerschaft Englands und Belgiens in diesen, Kriege rechnen, deshalb kam es seinen Feinden zuvor, ver-darb diesen ihre Plane und schuf sich in Belgien selbst eine Opcrations-basis, deren Besitz sonst den Englandern den Krieg gegen Deutschland unendlich erleichtert hatte.

Wäre Leopold noch König der Belgier gewesen und hatte die bel-gische Regierung nicht so tief in den Netzen des Dreiverbandes gesteckt,so würde man unter Protesten den deutschen Truppen den Durchmarschgestattet oder wenigstens nach der Einnahme Lüttichs den nochmalsangebotenen Frieden angenommen haben.

Statt dessen ist Belgien durch einen erbitterten Widerstand schwergeschädigt und erst dadurch an Gut und Blut wirklich ernst mitgenommenworden. Daö Beispiel Luxemburg zeigt, wie Belgien hatte verfahrensollen. Aber auch wenn man Krieg führen wollte, warum in dieserForm? Warum mit Meuchelmord und Franktireur-Unwesen? Da-gegen muß jedes Heer scharf einschreiten. Wie würden englische Sol-daten verfahren, wenn bewaffnete Bürger ihnen im Hinterhalt auf-lauern, aus den Hausern schießen, sie in den Straßen überfallen! Welchein widerliches Geschrei über deutsche Grausamkeiten ist da erhobenworden. Hunnen und Barbaren wurde unser Volksheer genannt,das doch ein Volk in Waffen und keine Soldateska ist. Vandaliscb solltenwir Kunstwerke vernichten, ein Vcrleumdungsfeldzug infamster Artwurde in allen neutralen Ländern gegen die Deutschen eröffnet undinzwischen drangen die Russen in Ostpreußen ein und verübten die un-menschlichsten Greuel, ohne daß ihre Verbündeten dafür Worte desTadels fanden. Wie Sie über Rußland denken, weiß ich ja, Sie sehenin Nußland eine Kulturwidrigkeit. Sie jubelten über die Siege derJapaner, die Europa vor den Kosaken schützten. Wie ist das allesso anders geworden! Mit dem wachsenden Deutschenhaß vergaß manin Paris und London die Sympathien für die geknechteten Polen undJuden. Jetzt können die Russen im Namen der Freiheit und Kulturihre Progrome verüben, denn angeblich ist es der Dreiverband, derfür Freiheit und Kultur kämpft wider den Militarismus. Der Mili-tarismus, das ist das deutsche Volksheer, aber beileibe nicht die mosko-witische Soldateska. Die Freiheit wird vom Aarismus vertreten,gegenüber dem deutschen Rechtsstaat. Ja, der gemeinsame Haß führtsonderbare Bettgenossen zusammen, sind das haltbare Bündnisse?