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Wir und die Engländer : offener Brief an einen englischen Freund / von Otto Arendt, Mitgleid des Reichstags und des Hauses der Abgeordneten
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Ob eine Besiegung Deutschlands möglich ist, darüber wollen wiruns noch unterhalten. Aber wenn sie möglich ist, was soll dann werden?-Nur der deutsche Sieg kann der Kulturwelt Rettungbringen! Eine Niederlage Deutschlands führt niemalszum dauernden Frieden!

Da ist zuerst der Streit um die Beute. Lassen sich die InteressenRußlands und Englands unter einen Hut bringen? Wie wird dieSchlußabrechnung mit Japan ?

Mit der brutalen Naivität, die manche Englander kennzeichnetder Ausdruck kann Sie nicht verletzen, denn Sie haben ihn selbst einmalauf diese Kreise Ihrer Landsleute angewendet hat Kipling aus-gesprochen, daß es nicht der Wunsch Englands sei, Deutschland zu ver-nichten. Im Gegenteil, nachdem Deutschland für England ungefährlichgemacht sei, brauche nian seine Hilfe zur großen Auseinandersetzungmit Rußland .

Natürlich das deutsche Volk muß es als Gunst des Schicksals be-trachten, britischen Interessen als Werkzeug dienen zu dürfen. Das istbrutal, aber zugleich naiv. Denn durch diesen Krieg hat England inDeutschland einen Haß wachgerufen, der niemals wieder verschwindet.Das ist für England an sich so schlimm wie ein verlorener Krieg.

Sie wissen am besten, wie frei ich von Haß gegen die Engländerwar, wie gern ich die guten und großen Eigenschaften Ihres Volkesanerkannte, wie sehr ich hoffte, daß die Engländer Herr ihrer Fehlerund Schwächen werden würden. Jetzt ist das nicht mehr möglich. DasVerhängnis hat sich erfüllt und der Gerechte muß mit dem Ungerechtenleiden. Denn selbstverständlich besteht das englische Volk nicht aus-schließlich aus Böscwichtern. Es umfaßt gute und schlechte, kluge undtörichte Menschen wie jede Nation. Aber die öffentliche Meinung, alsodie Zusanimenfassung der Einzelnen zu einer Gesamtheit, ist auf eineschiefe Ebene geraten, auf der es keinen Halt mehr gibt. Noch nie-mals seit die Welt steht, hat ein Volk sich dauernd ungestraft anmaßendürfen, die W eltherrschaft zu führen. Weil England glaubt hierzu einRecbt zu haben, ist sein Sturz sicher. Selbst wenn es Deutschland be-zwänge und dann erst recht, müßte es fallen. Denn dann würde seinHochmut keine Grenzen mehr kennen und die Vergewaltigung allerwürde schließlich alle gegen England einen. Ein siegreiches England würde keinen Feind mehr haben können, mit dem sich nicht Deutschland verbinden würde. Der Krieg gegen Deutschland , der völlig unnötiglind vermeidbar war, entstand nur aus der Furcht, die Vorherrschaft