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Mögen sie Engtand in seine Schranken weisen, dann werden wirgewiß diese Schranken von selbst achten. Aber daß wir uns absperrenund aushungern lassen, ohne jedes Mittel der Gegenwehr, dessen wirfähig sind, anzuwenden, das kann niemand billigerweise von uns fordern.
Als der deutsche Admiralstab bekannt gab, daß die englische Ad-miralität den englischen Handelsschiffen geraten habe, neutrale Flaggenzu hissen, erfüllte mich große Besorgnis. Ich sagte nur, das kann nichtmöglich sein - ich fürcbtete, daß unsere Marine falsch unterrichtetwar. Aber jetzt ist die „Lusitania " auf Anordnung der englischenAdmiralität unter amerikanischer Flagge in Liverpool eingelaufenund England hat den Flaggenbetrug amtlich zugestanden und zurechtfertigen versucht. Wohin sollen wir kommen? Lassen sich dieNeutralen von England alles gefallen, um sofort aufzubegcbrcn, wennDeutschland sein Recht wahrt.
Kein anderes Land würde durch eine Niederlage Deutschlands soschwer betroffen wie die Vereinigten Staaten von Amerika . Und dochgibt es Yankees, die über den Einmarsch der Deutschen in Belgien nichthinausblicken. Es ist als ob sie unter einer englischen Suggestion stehen.Ich fürchte fast, daß auch mein alter Währungsfrcund William Bryan zu diesen Kurzsichtigen gehört, obwohl gerade er in den Währungs-kämpfen das „perfide Albion" genau genug kennen gelernt hat. AberBryan gehört zu den Radikalen, welche über bestimmte Schlagworte nichthinauskommen. Er ist Fricdensmann und als solcher Antimilitarist.So erscheint ihm der deutsche Militarismus als das Grundübel, wäbrendes in Wahrheit der militärischen Stärke Deutschlands allein zuzuschreibenwar, Laß die Welt fast ein balbes Jahrhundert in Frieden verlebte.Als ich Bryan in Berlin ini Reichstagsgebäude herumführte, zog mitklingendem Spiele Garde vorüber. Das erregte Bryans Mißvergnügen,worauf ich ihm sagte, die dort unten wirken mehr für den Frieden alsSie mit all Ihrer Beredsamkeit.
Jetzt ist Bryan Staatssekretär und er der Friedensmann duldet,daß die Vereinigten Staaten Waffen und Munition nach Europa senden und dadurch den Krieg ins Unendliche verlängern. Die Erbit-terung, die über diese einseitige Begünstigung unserer Feinde in Deutscb-land immer stärker wird, kann schwere Nachteile in Zukunft für die> Vereinigten Staaten zeitigen. Bryan, einstmals der Vorkämpfer gegen
Trustes und Großkapital, heute der Hörige der Waffenlieferanten!
Die deutsche Bewegung in den Vereinigten Staaten ist im Begriffein politischer Macbtfaktor zu werden. Verbunden mit den Jrländern